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    Energie im Fokus: Netzzugang, Atomstrom, Infrastruktur und Gasspeicher im Streit 恒一

    KI-generiert
    03.08.2026 108 mal gelesen 5 Kommentare

    Neue Vorgaben für Wind- und Solarprojekte sorgen für Streit

    Das Bundeskabinett hat laut T-Online einen Gesetzentwurf aus dem Haus von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) beschlossen. Das sogenannte Netzanschlusspaket soll ab 2027 die bisherigen Privilegien erneuerbarer Energien neu ordnen und Netzbetreibern zusätzliche Möglichkeiten geben, Anträge für neue Wind- oder Solarparks abzulehnen.

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    Voraussetzung ist, dass ein Netzgebiet als „kapazitätslimitiert“ ausgewiesen und die Einstufung bei der Bundesnetzagentur öffentlich einsehbar ist. Als kapazitätslimitiert gilt ein Netz, wenn die Leistung einer angeschlossenen Erneuerbare-Energien-Anlage im vorherigen Jahr um mehr als fünf Prozent reduziert werden musste. Die Einstufung kann für sechs Jahre gelten und einmalig um weitere 1,5 Jahre verlängert werden.

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    Die Einstufung erfolgt technologiespezifisch. Ein Gebiet, das hinsichtlich der Windkraft als kapazitätslimitiert gilt, kann weiterhin uneingeschränkt neue Solaranlagen aufnehmen; umgekehrt gilt dies ebenso für Windkraft in einem nur bei Solarenergie limitierten Gebiet.

    Hintergrund ist der laut T-Online langsamere Ausbau der Stromnetze im Vergleich zum Bau von Wind- und Solaranlagen. Netzbetreiber müssen Anlagen deshalb häufiger abschalten oder drosseln, um eine Netzüberlastung zu vermeiden. Für diese Eingriffe erhalten Betreiber bisher Entschädigungszahlungen.

    AspektAngabe
    Schwelle für die Einstufungmehr als fünf Prozent Reduzierung im vorherigen Jahr
    Geltungsdauersechs Jahre
    Einmalige Verlängerungweitere 1,5 Jahre
    Redispatch-Kosten 2025rund drei Milliarden Euro
    Möglicher Ertragsverlust für neue Projektebis zu 20 Prozent

    In kapazitätslimitierten Gebieten soll es künftig keine oder deutlich weniger Entschädigungszahlungen geben. Investoren müssten dort laut dem Bericht mit bis zu 20 Prozent weniger Ertrag rechnen, während die genaue Ertragsberechnung wegen der Abhängigkeit von Wetter, Stromverbrauch und Netzausbau schwieriger werde. Als Folge könnten Banken höhere Zinskosten verlangen.

    Der Bundesverband WindEnergie bezeichnete das Modell laut T-Online als „Verhinderungsinstrument“. Der Verband VKU, der auch Netzbetreiber vertritt, begrüßt dagegen die zusätzlichen Möglichkeiten, den Ausbau neuer Anlagen mit den vorhandenen Netzkapazitäten abzustimmen.

    „Für Neuanlagen sind 'kapazitätslimitierte Gebiete' damit praktisch nicht erschließbar.“ – Sprecher des Bundesverbands WindEnergie, zitiert von T-Online
    „Netzbetreiber erhalten mehr Möglichkeiten, den Ausbau neuer Anlagen mit den tatsächlichen Netzkapazitäten in Einklang zu bringen.“ – Ingbert Liebing, VKU-Hauptgeschäftsführer, zitiert von T-Online

    Eine Analyse des Beratungsunternehmens Enervis im Auftrag von Green Planet Energy untersuchte Abschaltungen im Jahr 2025 in allen deutschen Landkreisen. Bei der damals vorgesehenen Schwelle von drei Prozent erfüllten 90 Landkreise die Kriterien, vorrangig im Norden an der Ost- und Nordsee sowie in Bayern. Nach Technologien getrennt waren es 73 Landkreise bei Solarenergie und 50 Landkreise bei Windkraft.

    Für Solarstrom könnten insbesondere Bayern, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen betroffen sein. Bei der Windenergie nennt der Bericht die gesamte Küstenregion sowie Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Brandenburg.

    T-Online weist zugleich darauf hin, dass 2025 ein windschwaches Jahr war. In einem normalen oder windstarken Jahr könnten daher mehr Landkreise die Kriterien erfüllen; für Solarenergie sei ein ähnlicher Effekt in einem besonders sonnigen Jahr denkbar. Bundestag und Bundesrat sollen sich im Herbst mit den Gesetzen befassen.

    Zusammenfassung: Das Netzanschlusspaket sieht kapazitätslimitierte Gebiete vor, in denen neue Wind- und Solarprojekte wirtschaftlich unattraktiver werden könnten. Während der BWE faktische Baustopps befürchtet, sieht der VKU darin ein Instrument zur Abstimmung von Erzeugung und Netzausbau.

    Wassermangel zwingt Ungarn zur Abschaltung des Atomkraftwerks Paks

    Ungarn schaltet sein Atomkraftwerk Paks wegen des niedrigen Wasserstands der Donau vollständig ab, berichtet SZ.de. Ministerpräsident Peter Magyar teilte mit, dass der letzte Reaktorblock in der Nacht zum Sonntag heruntergefahren werden sollte; damit wäre das Kraftwerk erstmals in den 44 Jahren seit seinem Bau komplett vom Netz.

    Das rund 100 Kilometer südlich von Budapest gelegene Kraftwerk mit vier Reaktorblöcken nutzt die Donau zur Kühlung. Der Fluss führt an seinem Unterlauf derzeit stellenweise nur ein Drittel des durchschnittlich im Juli gemessenen Wasserstands.

    Durch die Abschaltung fallen 2000 Megawatt Leistung aus. Gleichzeitig steigt wegen der Hitze der Stromverbrauch in Privathaushalten und bei öffentlichen Dienstleistern. Magyar kündigte an, Stromreserven einzusetzen und Stromimporte zu organisieren; spätestens ab Montag könne es zu Engpässen kommen.

    Die Regierung erwägt zudem, die Stromversorgung großer industrieller Verbraucher einzuschränken. Großverbraucher sollen zunächst zu freiwilligen Einsparungen aufgefordert werden; bei Bedarf könnten verbindliche Reduzierungen angeordnet werden.

    AngabeWert
    Reaktorblöcke des Kraftwerks Paksvier
    Entfernung von Budapestetwa 100 Kilometer
    Wasserstand der Donaustellenweise nur ein Drittel des durchschnittlich im Juli gemessenen Wasserstands
    Ausfallende Leistung2000 Megawatt
    Rationierung von Wasser in Ungarnmehr als 100 Städten und Dörfern

    Auch Rumänien ist betroffen. Das Land rief für den gesamten August den Notstand aus, nachdem die Stromproduktion massiv zurückgegangen war. Ein Reaktor des Atomkraftwerks Cernavoda wurde abgeschaltet; Rumänien führt Gespräche mit der Ukraine, Griechenland und Bulgarien über Stromimporte zu den abendlichen Spitzenzeiten.

    SZ.de berichtet außerdem, dass Frankreich zuletzt wegen niedriger Pegelstände und anhaltender Hitze mehrere Meiler abgeschaltet habe. Die Hitze und Dürre lassen in großen Teilen Europas die Flusspegel sinken und gefährden damit die Stromerzeugung.

    In Ungarn beeinträchtigt der Regenmangel zusätzlich die Schifffahrt und den Tourismus. Die Wasserbehörde erwartet, dass der Pegel der Donau in den kommenden Tagen weiter sinkt. Unternehmen wie Mercedes und Suzuki kündigten an, in ihren ungarischen Werken Strom zu sparen; das Mercedes-Werk in Kecskemét plant ab nächster Woche ohnehin eine dreiwöchige Produktionspause.

    Zusammenfassung: Niedrige Donaupegel führen in Ungarn zur vollständigen Abschaltung des Kraftwerks Paks und könnten ab Montag Stromengpässe verursachen. Auch Rumänien und Frankreich melden Einschränkungen bei der Atomstromproduktion infolge von Hitze und Wassermangel.

    Energieinfrastruktur rückt bei Anlegern stärker in den Fokus

    Die Modernisierung der europäischen Energieinfrastruktur könnte nach Einschätzung von Wallstreet Online stärker in den Mittelpunkt der Aktienmärkte rücken. Neben dem Ausbau erneuerbarer Energien geht es demnach um Stromnetze, Batteriespeicher, Ladeinfrastruktur und digitale Steuerungssysteme.

    Unternehmen wie E.ON, RWE, Iberdrola, EnBW und die EVN AG investieren laut dem Bericht nicht mehr nur in einzelne Anlagen, sondern in den Umbau des gesamten Energiesystems. Der steigende Anteil erneuerbarer Energien erhöht die Anforderungen an Netze, Speichertechnologien, digitale Netzsteuerung und flexible Verbrauchssysteme.

    Parallel nimmt die Elektrifizierung von Industrie, Gebäuden und Mobilität weiter zu. Die Europäische Kommission verweist laut Wallstreet Online in ihrem Grid Action Plan auf den erheblichen Investitionsbedarf für Ausbau und Modernisierung der europäischen Stromnetze.

    UnternehmenIm Bericht genannte Schwerpunkte
    E.ONAusbau und Digitalisierung der Strom- und Verteilnetze
    RWEWind- und Solarenergie, Batteriespeicher sowie flexible Erzeugungskapazitäten
    IberdrolaErneuerbare Energien, Netzinfrastruktur und Digitalisierung
    EnBWOffshore-Windenergie, Wasserstoffprojekte und Ladeinfrastruktur
    EVN AGStromnetze, erneuerbare Erzeugungskapazitäten, Energie- und Wasserversorgung

    Die EVN verfolgt im Rahmen ihrer Strategie 2030 einen integrierten Ansatz. Zu den genannten Bereichen zählen Windkraft, Photovoltaik, Wasserkraft, Biomasse, Netzinfrastruktur und Lösungen für eine flexible Energieversorgung. Hinzu kommen Naturwärme, Trinkwasserversorgung und Ladeinfrastruktur für Elektromobilität.

    Für Investoren verändert sich damit der Blick auf Energieunternehmen. Nicht mehr nur einzelne Technologien, sondern die Fähigkeit, komplette Energiesysteme mit Netzen, Speichern, Erzeugung, Wärmeversorgung und digitaler Steuerung zu entwickeln und zu betreiben, rückt laut Wallstreet Online in den Vordergrund.

    Der Beitrag weist ausdrücklich auf seinen werblichen Charakter hin. Mit der EVN besteht ein entgeltlicher IR- und PR-Vertrag; außerdem wird auf Unternehmensrisiken, Investitionsrisiken und das Risiko eines Totalverlusts bei Aktien hingewiesen.

    Zusammenfassung: Die Energiewende wird im Beitrag als umfassendes Infrastrukturprojekt beschrieben. E.ON, RWE, Iberdrola, EnBW und EVN verbinden erneuerbare Erzeugung mit Netzen, Speichern, Digitalisierung und weiteren Infrastrukturbereichen; der Beitrag enthält zugleich einen ausdrücklichen Risikohinweis.

    Italien füllt Gasspeicher schneller als Deutschland

    Italien ist im Juli erstmals zum größten LNG-Importeur der Europäischen Union aufgestiegen, berichtet die Berliner Zeitung unter Berufung auf Bloomberg und Schiffsverfolgungsdaten. Das Land kauft trotz stark gestiegener Gaspreise große Mengen Flüssigerdgas, um die Speicher vor dem Winter zu füllen.

    Nach Daten von Gas Infrastructure Europe sind die italienischen Speicher rund 75 Prozent gefüllt, während Deutschland auf 47 Prozent kommt. Italien setzt auf staatliche Anreize und Bußgelder, Deutschland vertraut weiterhin stärker auf Marktbedingungen.

    LandSpeicherfüllstandEingelagerte Gasmenge
    Italienrund 75 Prozentrund 153 Terawattstunden
    Deutschland47 Prozent115 Terawattstunden
    Frankreichrund 56 Prozentnicht angegeben

    Die italienische Regierung gewährt Händlern finanzielle Anreize für das Einspeichern und schreibt zugleich strenge Füllstandsvorgaben vor. Bei Verstößen drohen Bußgelder. Der Gasnetzbetreiber Snam vergab bereits im April über Auktionen Speicherkapazitäten, die für ein Ziel von mindestens 90 Prozent ausreichen sollen.

    Italien ist besonders stark von einer sicheren Gasversorgung abhängig, weil dort der Stromsektor stärker auf Erdgas angewiesen ist als in anderen europäischen Ländern. Während der jüngsten Hitzewellen erhöhte der zusätzliche Verbrauch von Klimaanlagen und anderen Kühlgeräten den Energiebedarf weiter.

    Deutschland verfügt zwar über die größten Gasspeicher Europas, liegt beim Füllstand aber deutlich hinter Italien. Der Speicher in Rehden in Niedersachsen hat laut Berliner Zeitung eine Kapazität von rund 3,9 Milliarden Kubikmetern Erdgas.

    Als Grund für die langsame Befüllung nennt der Bericht die ungewöhnliche Preisstruktur. Lieferungen für den kommenden Winter kosten derzeit weniger als kurzfristig verfügbares Sommergas. Ohne staatliche Absicherung würde das Einspeichern für viele Unternehmen Verluste bedeuten.

    Seit Beginn des Iran-Krieges haben sich die europäischen Gaspreise laut dem Bericht nahezu verdoppelt. Im Juli stiegen die europäischen Gas-Futures nach Bloomberg um mehr als 30 Prozent. Als Gründe werden Lieferausfälle am Persischen Golf, neue US-Angriffe auf den Iran und der Wettbewerb mit Asien um flexible LNG-Ladungen genannt.

    Eine Analyse des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität zu Köln kommt laut Berliner Zeitung zu dem Ergebnis, dass Europa seine LNG-Importe bis November mehr als verdoppeln müsste, um einen Speicherfüllstand von 80 Prozent zu erreichen. Dafür fehlten rund 275 Terawattstunden Gas; die Auslastung der LNG-Terminals müsste von derzeit 29 auf rund 70 Prozent steigen.

    Erforderliche Entwicklung laut EWIAngabe
    Fehlende Gasmenge für 80 Prozent Speicherfüllstandrund 275 Terawattstunden
    Auslastung der LNG-Terminals derzeit29 Prozent
    Erforderliche Auslastung der LNG-Terminalsrund 70 Prozent
    Geplante deutsche Gasreserverund 24 Terawattstunden
    Erste Befüllung der GasreserveSommer 2027

    Die von der Bundesregierung geplante strategische Gasreserve wird im kommenden Winter noch nicht helfen. Vorgesehen sind künftig rund 24 Terawattstunden als staatlich abgesicherter Notfallpuffer; die erste Befüllung soll erst im Sommer 2027 beginnen.

    Ob sich Italiens frühe Einkäufe wirtschaftlich auszahlen, hängt laut Berliner Zeitung von der weiteren Entwicklung im Nahen Osten ab. Sollten LNG-Lieferungen durch den Persischen Golf wieder zunehmen, könnten die Gaspreise fallen; bei anhaltender Knappheit wären Länder mit niedrigen Speicherständen gezwungen, zu höheren Preisen einzukaufen. Goldman Sachs hält in diesem Szenario einen europäischen Gaspreis von 100 Euro je Megawattstunde im Dezember für möglich.

    Zusammenfassung: Italien hat seine Speicher auf rund 75 Prozent gefüllt und setzt dafür auf Anreize und Bußgelder, während Deutschland bei 47 Prozent liegt. Die wirtschaftliche Bewertung der beiden Strategien hängt von der Entwicklung der LNG-Verfügbarkeit und der europäischen Gaspreise ab.

    Quellen:

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    Die sache mit Paks zeigt doch ziemlich deutlich, das selbst Atomstrom nicht einfach immer läuft, wenn das Wasser fehlt. Und bei den Gasspeichern versteh ich nicht ganz warum man erst im Winter merkt das auffüllen teuer ist, obwohl der Winter jedes Jahr irgendwie plötzlich kommt. Beim Netzausbau wird auch viel geredet, aber solange Windräder gebaut werden und dann wieder abgeschaltet werden, wirkt das schon etwas planlos alles.
    Beim Netzausbau fehlt mir vor allem ein klarer Plan, denn neue Anlagen ohne passende Leitungen zu genehmigen und sie danach abzuregeln kann auf Dauer niemand sinnvoll finden.
    Genau das ist der Knackpunkt: Ohne parallelen Netzausbau werden neue Wind- und Solarparks schnell zum teuren Papiertiger.
    Beim Netzausbau wird endlich das eigentliche Problem sichtbar: Wir bauen Erzeugung und Netze nicht im gleichen Tempo. Neue Anlagen in einem Gebiet mit dauernden Abregelungen einfach weiter zu genehmigen, ist wirtschaftlich schwer zu erklären. Andererseits darf die Fünf-Prozent-Grenze auch kein bequemes Stoppschild werden, hinter dem sich jahrelange Verzögerungen beim Netzausbau verstecken. Sonst werden Regionen, die schon heute viel Wind- oder Solarstrom liefern, am Ende doppelt bestraft.

    Wichtig fände ich deshalb, dass die Einstufungen wirklich transparent und regelmäßig überprüft werden. Sechs Jahre sind eine lange Zeit, gerade wenn sich beim Netzausbau dann doch etwas bewegt. Dass Wind und Solar getrennt betrachtet werden, klingt erstmal sinnvoll, weil die Netzauslastung je nach Standort und Erzeugungsprofil unterschiedlich ist. Trotzdem bleibt die Frage, ob damit nicht wieder ein ziemlich kompliziertes System entsteht, das Investoren und Bürger kaum nachvollziehen können.

    Die Sache mit Paks zeigt zusätzlich, dass auch Atomkraft keine völlig wetterunabhängige Wunderlösung ist. Wenn ein Kraftwerk seine Kühlung aus einem Fluss bezieht und der Wasserstand massiv sinkt, hilft die hohe Nennleistung auf dem Papier erstmal wenig. Das ist kein Argument dafür, jede andere Energiequelle schlechtzureden, aber es zeigt, dass man bei der Infrastruktur immer die realen Bedingungen mitdenken muss. Hitze erhöht gleichzeitig den Strombedarf durch Klimaanlagen und schwächt dann womöglich die Erzeugung und Kühlung – ziemlich ungünstige Kombination.

    Bei den Gasspeichern wirkt Italien tatsächlich vorausschauender. Natürlich kann sich der frühe Einkauf als teuer herausstellen, wenn die Preise später fallen. Aber Versorgungssicherheit gibt es eben nicht zum Nulltarif. Deutschland verlässt sich offenbar gerne darauf, dass der Markt im entscheidenden Moment schon irgendwie das Richtige regelt. Das kann funktionieren, muss aber nicht. Wenn der Staat am Ende ohnehin einspringen und Verluste absichern muss, wäre es vielleicht ehrlicher, die Reserve rechtzeitig zu organisieren statt erst im Krisenfall hektisch zu reagieren.

    Unterm Strich hängen die Themen stärker zusammen, als es auf den ersten Blick aussieht: Netze, Speicher, Kraftwerke und flexible Verbraucher müssen gemeinsam geplant werden. Einzelne Rekordmeldungen bei Windrädern, LNG oder Speichern sagen wenig aus, wenn das Gesamtsystem nicht stabil funktioniert. Genau da fehlt mir in Deutschland oft der langfristige Plan – viel Einzelpolitik, aber zu wenig Gesamtbild.
    Beim Thema Netzausbau bin ich ganz bei Anonymous: Es wirkt tatsächlich planlos, wenn erst Anlagen genehmigt und gebaut werden und danach auffällt, dass der Strom gar nicht vernünftig abtransportiert werden kann. Trotzdem finde ich den neuen Ansatz nicht grundsätzlich falsch. Wenn in einer Region regelmäßig mehr als fünf Prozent abgeregelt werden müssen, kann man nicht einfach immer weitere Projekte anschließen und die Kosten anschließend über Entschädigungen verteilen. Drei Milliarden Euro Redispatch-Kosten in einem Jahr sind ja kein kleiner Schönheitsfehler mehr.

    Der Haken ist für mich die lange Dauer von sechs Jahren. Wenn ein Gebiet einmal als kapazitätslimitiert gilt, könnte das Investitionen praktisch abwürgen, selbst wenn der Netzausbau eigentlich schon konkret geplant ist. Es bräuchte deshalb klare Fristen und eine nachvollziehbare Liste, wann welche Leitung fertig werden soll. Sonst werden die neuen Regeln am Ende nur zu einem Baustopp durch die Hintertür. Und dass Wind und Solar getrennt betrachtet werden, ist zwar logisch, aber in der Praxis muss man trotzdem das gesamte System im Blick behalten. Strom ist nun mal nicht in getrennten Schubladen unterwegs.

    Paks zeigt zusätzlich, dass auch Atomkraft keine völlig unabhängige Dauerlösung ist. Der Punkt ist nicht, dass Atomstrom plötzlich nutzlos wäre, sondern dass jedes Kraftwerk bestimmte Voraussetzungen braucht: Kühlwasser, Brennstoff, Leitungen und natürlich funktionierende Netze. Bei niedrigen Flusspegeln können dann sogar mehrere Länder gleichzeitig Probleme bekommen. Genau deshalb sollte man sich energiepolitisch nicht auf eine einzige Technologie verlassen, sondern verschiedene Erzeuger, Speicher und flexible Verbraucher kombinieren. Leichter gesagt als getan, aber die Realität ist eben komplizierter als viele Werbesprüche.

    Bei den Gasspeichern verstehe ich ebenfalls nicht, warum der Winter jedes Jahr wieder als Überraschung behandelt wird. Natürlich ist die Preisstruktur ein echtes Problem, wenn Sommergas teurer ist als die Lieferung für den Winter. Aber Versorgungssicherheit ist keine normale Wette auf den günstigsten Einkaufspreis. Italien scheint das mit Anreizen und notfalls Bußgeldern ernster zu nehmen. Ob sich die teuren LNG-Einkäufe am Ende rechnen, wird man erst sehen, aber mit 75 Prozent Füllstand steht man erstmal deutlich entspannter da als Deutschland mit 47 Prozent. Eine Reserve, die erst 2027 befüllt werden soll, hilft im kommenden Winter jedenfalls nicht viel.

    Was mir insgesamt fehlt, ist ein verbindlicher Gesamtplan. Netze müssen schneller gebaut werden, Speicher dürfen nicht nur auf dem Papier existieren, und bei Gaskäufen sollte klar sein, welcher Sicherheitsbestand politisch gewollt ist. Gleichzeitig sollte man Anlegerberichte mit den vielen genannten Energieunternehmen nicht mit neutraler Berichterstattung verwechseln, wenn ausdrücklich ein PR-Vertrag erwähnt wird. Am Ende bezahlen die Verbraucher und Unternehmen die Fehler bei der Planung, egal ob das Geld dann für Redispatch, teures LNG oder Netzentgelte draufgeht. Genau deshalb wäre ein bisschen weniger Schlagwortpolitik und mehr ehrliche, langfristige Planung ganz hilfreich.

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