Energiewende im Fokus: Neue Förderregeln, EU-Ziele und steigende Energiepreise
Autor: Energie-Echo Redaktion
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Kategorie: News
Zusammenfassung: Geplante Förderkürzungen für kleine Solaranlagen werden abgemildert; zugleich fordern Wadephul und die EU mehr Elektrifizierung für Energieunabhängigkeit.
Förderung kleiner Solaranlagen: Übergangsregelung soll Einschnitte abmildern
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche hat ihre ursprünglichen Pläne für Einschnitte bei der Förderung erneuerbarer Energien in mehreren Punkten abgeschwächt. Nach Angaben des Deutschlandfunks und der WELT sehen neue Entwürfe unter anderem eine Übergangsregelung für kleine Solaranlagen auf Hausdächern vor.
Für neue Anlagen mit weniger als 50 Kilowatt Leistung, die ab 2027 installiert werden, soll die feste Zahlung des Netzbetreibers zunächst noch drei Jahre gelten. Danach müssen die Betreiber den erzeugten Strom direkt vermarkten. Die Übergangszahlung soll einen Cent je Kilowattstunde unter der bisherigen regulären Vergütung liegen.
Für Anlagen, die 2028 in Betrieb gehen, soll die Übergangsregelung nur noch bis zu einer Leistung von 25 Kilowatt gelten. 2029 soll die Grenze auf sieben Kilowatt sinken. Ab 2030 ist nach dem Entwurf keine solche Übergangszahlung mehr vorgesehen.
Auch beim sogenannten Redispatch-Vorbehalt für neue Windparks und größere Freiflächen-Solaranlagen wurden die Pläne entschärft. In Gebieten mit Engpässen im Stromnetz sollen Netzbetreiber besonders überlastete Umspannwerke und Leitungsabschnitte künftig erst dann als kapazitätslimitiert ausweisen können, wenn dort mehr als fünf Prozent der Stromerzeugung abgeregelt werden mussten. Ursprünglich waren drei Prozent vorgesehen.
Zudem soll die maximale Dauer der Regelung von zehn auf sechs Jahre verkürzt werden. Nach monatelangen Abstimmungen innerhalb der Bundesregierung wurden die Gesetzentwürfe laut WELT zur Anhörung an Länder und Verbände verschickt; diese haben bis zum 22. Juli Zeit zur Stellungnahme.
Die ursprünglichen Referentenentwürfe hatten vorgesehen, die garantierte Einspeisevergütung für neue Dachanlagen vollständig zu streichen. Betreiber neuer Windanlagen in Engpassregionen hätten außerdem das volle finanzielle Risiko bei einer Drosselung ihrer Anlagen tragen sollen. Gleichzeitig sollen die Ausschreibungsmengen für Windenergie an Land bis 2029 um insgesamt zwölf Gigawatt erhöht werden.
„Die Energiewende ist richtig, aber es wurden gravierende Fehler gemacht“, zitiert die WELT Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche nicht; die Kritik an den ursprünglichen Plänen wird dort im Zusammenhang mit den politischen Abstimmungen dargestellt.
Infobox – wichtigste Erkenntnisse:
- Ab 2027 soll die feste Zahlung für neue kleine Solaranlagen zunächst drei Jahre gelten.
- Die Übergangszahlung liegt einen Cent je Kilowattstunde unter der bisherigen regulären Vergütung.
- Die Leistungsgrenzen sinken 2028 auf 25 Kilowatt und 2029 auf sieben Kilowatt.
- Ab 2030 ist keine Übergangszahlung vorgesehen.
- Die Schwelle für eine kapazitätslimitierte Netzausweisung steigt von drei Prozent auf mehr als fünf Prozent Abregelung.
- Die maximale Dauer sinkt von zehn auf sechs Jahre.
Wadephul fordert angesichts des Irankriegs schnelleren Ausbau erneuerbarer Energien
Außenminister Johann Wadephul drängt angesichts des Irankriegs auf einen schnelleren Umstieg auf erneuerbare Energien. Wie DIE ZEIT berichtet, bezeichnete der CDU-Politiker die Blockade der Straße von Hormus als Weckruf, der Deutschland zu einer konsequenteren Lösung von fossilen Energieträgern bewegen müsse.
„Die Blockade der Straße von Hormus war ein Weckruf an uns alle“, sagte Wadephul laut DIE ZEIT dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.
Der Außenminister begründete den Ausbau nicht nur mit dem Klimawandel. Hinzu komme eine sicherheits- und wirtschaftspolitische Dimension, weil die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern die Unabhängigkeit des Landes berühre.
„Es muss uns darin bestärken, uns noch konsequenter von fossilen Energieträgern zu lösen und unabhängiger zu machen“, wird Wadephul von DIE ZEIT zitiert.
Erneute Entlastungsmaßnahmen für Bürger wie einen Tankrabatt lehnt Wadephul ab. Solche Maßnahmen könnten die Auswirkungen nicht dauerhaft neutralisieren und würden die Kapazitäten irgendwann überfordern, sagte er dem Bericht zufolge.
Wadephul verwies darauf, dass die Großkonflikte in der Ukraine und der Golfregion zu steigenden Energiepreisen und weiteren Preissteigerungen führten. Die Bundesregierung konzentriere sich deshalb darauf, Verhandlungen in beiden Konflikten überhaupt beziehungsweise wieder aufzunehmen.
Durch die Blockade der Straße von Hormus als wichtige globale Handelsroute seien die Preise für Öl und Gas in den letzten Monaten stark gestiegen. Auch die Chefin der Europäischen Zentralbank, Christine Lagarde, mahnte laut DIE ZEIT deshalb zum Ausbau erneuerbarer Energien.
Gleichzeitig gibt es politischen und wirtschaftlichen Widerstand gegen bestehende Klimaziele. Unternehmer, Industriegewerkschaften und die CDU-Mittelstandsvereinigung forderten zuletzt eine Verschiebung des deutschen Zieljahrs für Klimaneutralität um fünf Jahre. Die EU-Kommission schlug zudem auf Druck von Wirtschaft und Mitgliedstaaten vor, den Emissionshandel abzuschwächen.
Infobox – wichtigste Erkenntnisse:
- Johann Wadephul fordert einen schnelleren Umstieg auf erneuerbare Energien.
- Die Blockade der Straße von Hormus wird als sicherheits- und wirtschaftspolitischer Weckruf beschrieben.
- Wadephul lehnt weitere Entlastungen wie einen Tankrabatt ab.
- Die Preise für Öl und Gas sind laut DIE ZEIT in den letzten Monaten stark gestiegen.
- Das deutsche Zieljahr für Klimaneutralität und der Emissionshandel stehen unter Veränderungsdruck.
EU prüft Elektrifizierungsziel von 46 Prozent bis 2040
Die Europäische Kommission prüft ein Elektrifizierungsziel von 46 Prozent bis 2040. Nach Angaben der WirtschaftsWoche sollen Industrie, Gebäude und Verkehr künftig häufiger mit Strom betrieben werden, um den Verbrauch fossiler Energie zu senken und den Anteil erneuerbarer Energiequellen am Strommix zu erhöhen.
Die Elektrifizierungsrate in der Europäischen Union liegt den Angaben zufolge derzeit stagnierend bei 23 Prozent. Bis 2030 wird eine Quote von 32 Prozent angestrebt. China, Korea und Japan erreichen laut EU-Kommission bereits jetzt über 30 Prozent.
In Deutschland lag der Elektrifizierungsgrad zuletzt im Jahr 2024 bei 20 Prozent. Im Bereich Gewerbe, Handel und Dienstleistungen wurden 38 Prozent des Energiebedarfs durch Strom abgedeckt, in der Industrie 31 Prozent. Bei privaten Haushalten waren es 21 Prozent und im Verkehr 3 Prozent.
| Bereich | Elektrifizierungsgrad |
|---|---|
| Europäische Union | 23 Prozent |
| Ziel der Europäischen Union bis 2030 | 32 Prozent |
| Prüfziel der Europäischen Union bis 2040 | 46 Prozent |
| Deutschland zuletzt (2024) | 20 Prozent |
| Gewerbe, Handel und Dienstleistungen in Deutschland | 38 Prozent |
| Industrie in Deutschland | 31 Prozent |
| Private Haushalte in Deutschland | 21 Prozent |
| Verkehr in Deutschland | 3 Prozent |
Hintergrund der Strategie sind nach Darstellung der WirtschaftsWoche auch die Folgen des seit Februar andauernden Iran-Kriegs. Nach Angaben der Kommission führte dieser zu 50 Milliarden Euro zusätzlichen Kosten für Öl- und Gasimporte, ohne dass mehr Brennstoff bezogen wurde.
Da die EU mehr als die Hälfte ihres Energieverbrauchs mit importierten fossilen Energieträgern deckt, sieht die Kommission eine strukturelle Verwundbarkeit. Energieunabhängigkeit wird daher als Souveränitätsfrage eingeordnet. Nach dem Ukraine-Krieg sei dies bereits die zweite fossile Preiskrise innerhalb von fünf Jahren.
Von einer stärkeren Umstellung auf Strom erwartet die Kommission erhebliche Einsparungen. Bis 2040 könnten mehr als 70 Prozent der Gasimporte ersetzt und die Rohöleinfuhr der Staatengemeinschaft um 40 Prozent gesenkt werden. Die fossilen Importkosten könnten nach Schätzungen bis zu 260 Milliarden Euro bis 2040 sinken.
Darüber hinaus könne die Elektrifizierung dazu beitragen, die CO2-Emissionen bis 2040 um mehr als 2 Milliarden Tonnen zu senken. Das entspreche rund 20 bis 30 Prozent der derzeitigen Emissionen.
Die EU-Kommission will unter anderem den Einbau von Wärmepumpen vorantreiben und den Absatz von Elektroautos erhöhen. Außerdem soll Strom erschwinglicher werden, da er für Haushalte und Industrie im Durchschnitt bislang deutlich teurer als Gas ist.
Die Brüsseler Behörde will im Laufe des Jahres vorschlagen, Subventionen für fossile Brennstoffe schrittweise abzuschaffen. Bereits vorgelegt wurde unter anderem der Vorschlag, Strom niedriger zu besteuern als Erdgas. Zudem sollen Übertragungs- und Verteilungsnetzentgelte flexibler gestaltet werden. Mitgliedstaaten sollen Steuern und Entgelte für bestimmte Nutzer senken können, etwa für energieintensive Industrien oder Energiegemeinschaften.
Infobox – wichtigste Erkenntnisse:
- Die EU prüft ein Elektrifizierungsziel von 46 Prozent bis 2040.
- Derzeit liegt die Elektrifizierungsrate in der EU bei 23 Prozent.
- Bis 2030 wird eine Quote von 32 Prozent angestrebt.
- Deutschland erreichte zuletzt 2024 einen Elektrifizierungsgrad von 20 Prozent.
- Bis zu 260 Milliarden Euro fossile Importkosten könnten bis 2040 eingespart werden.
- Mehr als 70 Prozent der Gasimporte könnten ersetzt und die Rohöleinfuhr um 40 Prozent gesenkt werden.
Willingmann räumt Fehler bei der Umsetzung der Energiewende ein
Sachsen-Anhalts Wirtschafts- und Energieminister Armin Willingmann hat Fehler bei der Umsetzung der Energiewende eingeräumt. Wie SZ.de unter Berufung auf die Deutsche Presse-Agentur berichtet, kritisierte der SPD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl insbesondere die frühere Verteilung der Kosten für den Stromnetzausbau.
Regionen mit vielen Wind- und Solaranlagen wie Sachsen-Anhalt seien dadurch benachteiligt worden. Die Energiewende sei richtig, es seien jedoch gravierende Fehler gemacht worden, sagte Willingmann den Zeitungen der Funke Mediengruppe.
Als einen der größten Fehler bezeichnete der Minister, die Kosten für den Netzausbau über die Stromrechnung auf die Menschen in den Ausbauregionen umzulegen. Dadurch sei gerade in Ostdeutschland der Eindruck entstanden, dass Windparks zwar vor Ort gebaut würden, die Erträge aber andernorts anfielen, während die Menschen in den betroffenen Regionen hohe Netzentgelte zahlten.
„Die Energiewende ist richtig, aber es wurden gravierende Fehler gemacht“, sagte Armin Willingmann laut SZ.de.
Nach Willingmanns Einschätzung hat diese Kostenverteilung der Akzeptanz der Energiewende massiv geschadet. Rückblickend hätte der Netzausbau aus seiner Sicht von Anfang an als staatliche Infrastruktur finanziert werden müssen.
Die Kosten für Betrieb und Ausbau der Stromnetze wurden lange Zeit überwiegend über regionale Netzentgelte auf die Stromverbraucher umgelegt. Besonders hoch fielen sie in Bundesländern mit einem starken Ausbau erneuerbarer Energien wie Sachsen-Anhalt aus. Seit Anfang 2025 werden diese Regionen durch einen bundesweiten Ausgleichsmechanismus teilweise entlastet.
Gleichzeitig verteidigte Willingmann den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien. Mit dem in Sachsen-Anhalt eingeführten Akzeptanz- und Beteiligungsgesetz profitierten inzwischen auch die Kommunen finanziell von Windkraftanlagen.
„Ein Windrad bringt einer Gemeinde rund 27.000 Euro im Jahr“, sagte Willingmann laut SZ.de.
Für viele finanziell angespannte Kommunen mache diese Einnahme einen spürbaren Unterschied. Willingmann warf der AfD vor, den Kommunen mit ihrer ablehnenden Haltung gegenüber der Windkraft eine verlässliche Einnahmequelle zu nehmen und die Bedeutung erneuerbarer Energien für Versorgungssicherheit, bezahlbare Strompreise und Klimaschutz zu verkennen.
Kürzlich hatte Willingmann außerdem mitgeteilt, dass die Photovoltaik die Windkraft bei der installierten Leistung in Sachsen-Anhalt erstmals überholt habe. Zugleich fordert das Land einen schnelleren Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft.
Infobox – wichtigste Erkenntnisse:
- Armin Willingmann kritisiert die frühere Verteilung der Netzausbaukosten.
- Regionen mit vielen Wind- und Solaranlagen seien bei den Netzentgelten benachteiligt worden.
- Seit Anfang 2025 gibt es einen bundesweiten Ausgleichsmechanismus.
- Ein Windrad bringt einer Gemeinde laut Willingmann rund 27.000 Euro im Jahr.
- Die Photovoltaik hat die Windkraft bei der installierten Leistung in Sachsen-Anhalt erstmals überholt.
Klimaanlage im Dauerbetrieb spart laut Ingenieur keine Energie
Ein weitverbreiteter Irrglaube lautet, dass eine Klimaanlage weniger Energie verbraucht, wenn sie dauerhaft läuft. Der Merkur berichtet über die Einschätzung eines Ingenieurs, wonach der Dauerbetrieb weder Energie noch Geld spart.
Mit Beginn der heißen Monate stellen zahlreiche Haushalte ihre Klimageräte auf Kühlung um. Der Artikel beschreibt, dass Klimaanlagen für viele Menschen inzwischen zum Alltag gehören, während die monatliche Stromrechnung ein wichtiges Thema bleibt.
Die vermeintlich naheliegende Überlegung hinter dem Dauerbetrieb ist, dass jeder Neustart Energie kostet. Manche Nutzer befürchten deshalb, wiederholtes Stoppen und Starten könne letztlich teurer sein als ein ununterbrochener Betrieb.
Nach dem im Merkur dargestellten Expertenhinweis trifft diese Annahme jedoch nicht zu. Der Artikel erklärt, warum das ständige Laufenlassen der Klimaanlage keine Energie spart.
Infobox – wichtigste Erkenntnisse:
- Der Dauerbetrieb einer Klimaanlage spart laut dem im Merkur beschriebenen Ingenieur keine Energie.
- Die Befürchtung, Neustarts seien teurer als ein ununterbrochener Betrieb, wird als Irrglaube dargestellt.
- Der Stromverbrauch von Klimageräten bleibt für viele Haushalte ein wichtiges Thema.
Quellen:
- Übergangsregelung geplant: Reiche mildert Einschnitte bei Förderung kleiner Solaranlagen ab
- Klimapolitik: Wadephul drängt auf Ausbau erneuerbarer Energien
- Energiepolitik: Reiche entschärft Kürzungen bei Förderung erneuerbarer Energien
- Energie: Von Öl und Gas zu Strom: EU-Kommission prüft Ziel für 2040
- Energie - Willingmann räumt Fehler bei Energiewende ein - Wirtschaft
- Ein Ingenieur erklärt, warum es nicht stimmt, dass man Energie spart, wenn man die Klimaanlage ständig laufen lässt