Deutschland und Europa im Energie-Wettlauf: Aufholjagd gegen China und die USA gestartet
Autor: Energie-Echo Redaktion
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Kategorie: News
Zusammenfassung: China und die USA investieren massiv in erneuerbare Energien, während Europa und Deutschland beim Ausbau hinterherhinken; zugleich fordert Olaf Lies sozial gerechte Förderung für Wärmepumpen. Der steigende Energiebedarf durch KI verschärft den Druck auf nachhaltige Stromquellen weltweit.
Wie Deutschland und Europa im globalen Energie-Wettlauf mit China aufholen müssen
China hat mit der Ankündigung, seine Industrieemissionen bis 2035 drastisch zu senken und bis 2060 vollständig zu dekarbonisieren, ein klares Zeichen gesetzt. Nachhaltigkeit ist dort längst Teil einer umfassenden Wirtschafts- und Sicherheitsstrategie. Die USA verfolgen einen ähnlichen Kurs und setzen auf eine breite Palette an Energiequellen, flankiert von öffentlichen Investitionen in nachhaltige Technologien und beschleunigten Genehmigungsverfahren für alternative Energieformen wie Geothermie oder geologischen Wasserstoff. Erneuerbare Energien stehen dabei zunehmend im Zentrum der industriepolitischen Planungen, da sie schneller, kostengünstiger und global skalierbar ausgebaut werden können.
Im internationalen Vergleich wirkt Europa, insbesondere Deutschland, zunehmend langsam und fragmentiert. Deutschland deckt weiterhin mehr als die Hälfte seines Energiebedarfs aus Importen, was in Zeiten geopolitischer Unsicherheit ein erhebliches Risiko darstellt. Die EU hat mit dem Critical Raw Materials Act (CRMA) und der Renewable Energy Directive (RED III) Initiativen gestartet, um strategische Rohstoffe zu sichern und den Ausbau erneuerbarer Energien zu beschleunigen. Allerdings fehlt es an verbindlichen Zielvorgaben, ausreichender finanzieller Unterfütterung und klaren Mechanismen zur Umsetzung.
Die Elektrifizierung von Mobilität, Industrie und Gebäuden wird die Stromnachfrage exponentiell steigen lassen. Eric Schmidt, ehemaliger CEO von Google, warnte, dass KI-Anwendungen in absehbarer Zeit bis zu 99 Prozent des globalen Strombedarfs ausmachen könnten. China hat sich frühzeitig auf diesen Wandel vorbereitet und 2023 knapp 350 Gigawatt an Erneuerbaren-Kapazität hinzugebaut, vor allem Solar- und Windenergie. Die EU schaffte im gleichen Zeitraum etwa ein Zehntel davon. China investiert zudem systematisch in alle vor- und nachgelagerten Sektoren und kontrolliert einen Großteil des weltweiten Marktes für Lithium, Seltene Erden, Graphit oder Nickel.
China investiert weiterhin in fossile Energie – rund 54 Gigawatt thermische Kapazität, vor allem Kohle – sowie in begrenztem Umfang in Atomkraft (knapp 4 GW). Der Fokus liegt jedoch klar auf Erneuerbaren. Die technologische Führungsambition Chinas zeigt sich in der kompletten industriellen Wertschöpfungskette für grüne Technologien und der Entwicklung mobiler Offshore-Plattformen zur Produktion von grünem Ammoniak, Methanol und E-Fuels. Die erste dieser Anlagen wurde kürzlich fertiggestellt.
Europa muss Energiepolitik als zentrales Infrastruktur- und Souveränitätsprojekt neu denken. Frankreich hat mit dem „Plan de Résilience“ vorgemacht, wie eine solche Strategie aussehen kann: Elektrifizierung, Digitalisierung und gezielte Industriepolitik werden dort als Hebel nationaler Resilienz verstanden. Planungs- und Genehmigungsprozesse müssen beschleunigt, öffentliche Investitionen auf international konkurrenzfähigem Niveau verankert und innovative Technologien durch geeignete Finanzierungsinstrumente unterstützt werden. Gleichzeitig gilt es, heimische Märkte gegen unfaire Wettbewerbsbedingungen zu schützen und Kreislaufwirtschaft sowie industrielle Eigenfertigung zu fördern.
„In einer Welt multipler Krisen ist die Verbindung von Nachhaltigkeit und Resilienz kein Luxus, sondern eine strategische Notwendigkeit.“ (Sebastian Heitmann, Extantia Capital)
- China: 350 GW Erneuerbare 2023, EU: ca. 35 GW
- China: 54 GW neue fossile Kapazität, knapp 4 GW Atomkraft
- Deutschland: >50% Energiebedarf aus Importen
Infobox: China und die USA setzen auf strategische Energiepolitik und massive Investitionen in Erneuerbare. Europa droht ins Hintertreffen zu geraten, wenn es nicht entschlossen nachzieht und Energiepolitik als Souveränitätsprojekt begreift. (Quelle: Tagesspiegel Background)
Heizungsdebatte: Ministerpräsident Lies warnt vor Falle
Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies warnt im Heizungsstreit über Wärmepumpe, Öl und Gas vor finanziellen Risiken für Verbraucher. „Wir dürfen die Menschen nicht in eine finanzielle Falle laufen lassen“, betonte der SPD-Politiker mit Blick auf politische Vorgaben zum Heizen. Er fordert, die langfristigen Kosten für Wärme und Gas zu berücksichtigen, insbesondere wenn der CO2-Preis weiter steigt.
Lies spricht sich dagegen aus, eine Heizungsart zu verbieten, sondern plädiert dafür, die Entscheidung den Einzelnen zu überlassen. Die Politik müsse jedoch die richtigen Weichen stellen, damit die Menschen sich langfristig darauf verlassen können. Das Heizungsgesetz sieht vor, dass jede neu eingebaute Heizung zu 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden muss, wobei die Regelungen zunächst nur für Neubauten in Neubaugebieten gelten. Für bestehende Gebäude und Neubauten außerhalb von Neubaugebieten gibt es Übergangsfristen.
Lies bezeichnet die Wärmepumpe als „kluge Lösung, mit wenig Strom viel Wärme zu erzeugen“. Sie müsse jedoch für alle finanziell interessant sein, was durch eine sozial gestaffelte Förderung und einen gesenkten Strompreis erreicht werden könne. Privat heizt Lies noch mit Gas, hält aber die Wärmepumpe auch für ältere Häuser perspektivisch für sinnvoll. Er kritisiert, dass die Wärmepumpe als sinnvolle Technologie schlechtgeredet wurde und fordert mehr Aufklärung in der Gesellschaft.
„Wenn wir all die Kraft, die Einzelne destruktiv in dieses Thema investiert haben, in die Aufklärung investiert hätten, dann hätten wir jetzt eine ganz andere Debatte in der Gesellschaft. Das darf uns nie wieder mit einer sinnvollen neuen Technologie passieren.“ (Olaf Lies)
- Heizungsgesetz: 65% erneuerbare Energien bei neuen Heizungen
- Staatliche Förderung für den Austausch alter Heizungen
- Sozial gestaffelte Förderung für Wärmepumpen gefordert
Infobox: Olaf Lies fordert eine sozial gerechte Förderung und mehr Aufklärung für Wärmepumpen, um Verbraucher vor finanziellen Risiken zu schützen und die Akzeptanz neuer Technologien zu erhöhen. (Quelle: Zeit Online)
KI-Klimabilanz: Wie viel Energie benötigt Chat-GPT?
Der Ressourcenverbrauch von KI-Systemen wie Chat-GPT ist ein viel diskutiertes Thema. Sam Altman, Chef von OpenAI, gibt an, dass eine Antwort von Chat-GPT im Schnitt 0,00034 Kilowattstunden Energie und 0,00032 Liter Wasser benötigt – vergleichbar mit einer LED-Lampe für zwei Minuten Licht. Allerdings nennt Altman keine Quellen für diese Zahlen, und die großen Tech-Firmen machen ein Geheimnis daraus, wie viel Energie und Wasser ihre Sprachmodelle tatsächlich verbrauchen.
Unabhängige Forscher und Studien bestätigen, dass die individuelle Nutzung von Chatbots nur einen kleinen einstelligen Prozentanteil des gesamten Ressourcenverbrauchs von KI ausmacht. Videos hingegen verbrauchen deutlich mehr Energie: Ein fünfsekündiges Video benötigt rund 700 Mal mehr Energie als ein einzelnes Bild. Der Ressourcenverbrauch schwankt stark je nach Modell und Komplexität der Anfragen. Rechenzentren, in denen KI-Modelle trainiert und betrieben werden, verbrauchen in den USA bereits so viel Strom wie ganz Thailand. Zwischen einem Viertel und einem Drittel dieses Verbrauchs entfällt auf KI-Modelle, mit einer prognostizierten Verdreifachung bis 2028.
Erneuerbare Energien können den steigenden Bedarf der Rechenzentren nicht komplett decken. Unternehmen wie Amazon, Google und Microsoft setzen daher wieder auf Atomkraft und Gaskraftwerke. Meta hat einen 20-Jahres-Vertrag mit einem Kernkraftwerk abgeschlossen, während xAI von Elon Musk ein Rechenzentrum mit 35 Gasturbinen betreibt. Trotz dieser Herausforderungen werden KI-Modelle und Rechenzentren effizienter, was sowohl die Klimabilanz als auch die Kosten der Unternehmen verbessert.
| Verbrauch pro Chat-GPT-Antwort | Stromverbrauch Rechenzentren (USA) | Prognose KI-Anteil am Stromverbrauch |
|---|---|---|
| 0,00034 kWh | so viel wie ganz Thailand | Verdreifachung bis 2028 |
- Videos: 700-facher Energieverbrauch im Vergleich zu Bildern
- Meta: 20-Jahres-Vertrag mit Kernkraftwerk
- xAI: Rechenzentrum mit 35 Gasturbinen
Infobox: Der Energieverbrauch von KI ist erheblich, insbesondere bei Videos und im Betrieb großer Rechenzentren. Unternehmen setzen zunehmend auf Atomkraft und Gas, während die Effizienz der Modelle steigt. (Quelle: SZ.de)
Erneuerbare Energie im Strohgäu: Große Pläne für einen Windpark in Hemmingen
Im Kreis Ludwigsburg plant der Projektentwickler Uhl Windkraft den Bau eines Windparks nördlich von Hemmingen. Das Vorranggebiet für Windkraftanlagen ist von knapp 145 auf gut 100 Hektar geschrumpft, was laut Projektleiter Philip Gohl jedoch keine Einschränkung für das Vorhaben bedeutet. Die geplanten vier Windräder sollen eine Nabenhöhe von 179 Metern haben und zusammen eine Leistung von 27,2 Megawatt erreichen. Jede Anlage soll jährlich zwölf bis 13 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugen, womit sich 3400 Haushalte mit Ökostrom versorgen ließen.
Die Besitzer der landwirtschaftlichen Flächen haben sich im Rahmen eines Flächenpachtmodells zusammengeschlossen und Nutzungsverträge mit Uhl Windkraft abgeschlossen. Läuft alles nach Plan, wird der Genehmigungsantrag bis Mitte des Jahres eingereicht, und spätestens Mitte 2028 könnten die Windräder in Betrieb gehen. Das Fundament der Windräder soll einen Durchmesser von fast 30 Metern und eine Tiefe von 3,75 Metern haben.
Das Projekt stößt jedoch auch auf Kritik, da das Gebiet als Rastplatz für seltene Zugvögel wie den Goldregenpfeifer bekannt ist. Naturschutz und Artenschutz sind daher zentrale Themen in der Debatte. Die geplanten Windräder werden zudem in unmittelbarer Nähe zu Gartenhäusern stehen, wobei die Mindestabstände zu Wohnbebauung nicht gelten. Die Anlagen sollen mit 40 Dezibel so geräuschvoll sein wie ein leises Gespräch.
Im Kreis Ludwigsburg gibt es aktuell 20 Vorranggebiete für Windkraft, regionsweit sind es 87. Das Land Baden-Württemberg ist gesetzlich verpflichtet, 1,8 Prozent der Landesfläche für den Bau von Windrädern auszuweisen. Der Regionalplan zur Teilfortschreibung für Wind- und Freiflächen-Photovoltaikanlagen liegt bis 7. Juli aus.
| Anzahl Windräder | Leistung gesamt | Jahresertrag pro Anlage | Versorgte Haushalte | Geräuschpegel |
|---|---|---|---|---|
| 4 | 27,2 MW | 12-13 Mio. kWh | 3400 | 40 dB |
- Vorranggebiete Kreis Ludwigsburg: 20
- Vorranggebiete Region: 87
- Gesetzliche Vorgabe: 1,8% der Landesfläche für Windkraft
Infobox: In Hemmingen entsteht ein Windpark mit vier Anlagen und einer Gesamtleistung von 27,2 MW. Naturschutz und Anwohnerinteressen spielen eine zentrale Rolle in der Debatte. (Quelle: stuttgarter-nachrichten.de)
Die Atom-Ära fiel aus, doch jetzt erleben wir eine andere Energie-Revolution
Die Geschichte der Energieversorgung ist von mehreren Revolutionen geprägt. Die erste Energierevolution begann mit der Nutzung von Biomasse und Wasserkraft, gefolgt von der Kohle, die ab etwa 1850 den weltweiten Energieverbrauch bis 1900 mehr als verdoppelte. Um 1900 lag der Marktanteil der Kohle bei über 45 Prozent des weltweiten Primärenergiebedarfs, während Biomasse und Wasserkraft nur noch knapp über 50 Prozent ausmachten.
Nach dem Zweiten Weltkrieg begann das Ölzeitalter. Bereits 1965 hatte Öl einen Anteil von 34 Prozent am weltweiten Energieverbrauch und stand damit auf Platz 1 vor der Kohle. Erdgas deckte zu diesem Zeitpunkt bereits 12 Prozent des Verbrauchs. Seit 1967 decken Öl und Gas zusammen über 50 Prozent des Energiebedarfs der Menschheit.
Die Atomenergie, die in den 1960er-Jahren als vierte Energierevolution ausgerufen wurde, konnte sich nie wirklich durchsetzen. 1984 lag ihr Anteil am weltweiten Energieverbrauch bei 4 Prozent und stieg nie über 6 Prozent hinaus. Heute liegt der Marktanteil der Atomenergie wieder unter 4 Prozent. Ohne staatliche Unterstützung können die hohen Kosten und Risiken neuer Atomkraftwerke nicht gedeckt werden.
Die eigentliche vierte Energierevolution findet derzeit mit dem rasanten Ausbau erneuerbarer Energien statt. 2023 stammten etwa 6 Prozent des Weltenergiebedarfs aus erneuerbaren Quellen, was etwa 10.000 Terawattstunden entspricht. Der Marktanteil von Öl und Gas ist 2022 erstmals seit den 1960er-Jahren unter 50 Prozent gefallen. Die Internationale Energieagentur (IEA) prognostiziert den Höhepunkt der weltweiten Ölnutzung („Peak Oil“) für 2024 oder 2025. In Großbritannien wurde im September 2024 das letzte Kohlekraftwerk abgeschaltet.
| Jahr | Kohleanteil | Ölanteil | Gasanteil | Atomenergieanteil | Erneuerbare |
|---|---|---|---|---|---|
| 1900 | über 45% | 1% | n.a. | 0% | n.a. |
| 1965 | n.a. | 34% | 12% | 0% | n.a. |
| 1984 | n.a. | n.a. | n.a. | 4% | n.a. |
| 2023 | n.a. | n.a. | n.a. | <4% | 6% (10.000 TWh) |
| 2022 | n.a. | <50% | <50% | n.a. | n.a. |
- IEA: „Peak Oil“ für 2024/2025 prognostiziert
- Letztes Kohlekraftwerk in UK: September 2024
- Jede kWh Wind- und Solarstrom verdrängt ca. 3 kWh Erdöl oder Erdgas
Infobox: Die Atomenergie konnte sich nie als globale Energierevolution durchsetzen. Die eigentliche Revolution findet mit dem Siegeszug der Erneuerbaren statt, die fossile Energieträger zunehmend verdrängen. (Quelle: FOCUS online)
Quellen:
- Wie Deutschland und Europa im globalen Energie-Wettlauf mit China aufholen müssen
- Energie: Heizungsdebatte: Ministerpräsident Lies warnt vor Falle
- KI-Klimabilanz: Wie viel Energie benötigt Chat-GPT?
- Erneuerbare Energie im Strohgäu: Große Pläne für einen Windpark in Hemmingen
- Die Atom-Ära fiel aus, doch jetzt erleben wir eine andere Energie-Revolution
- Photovoltaik-Module liefern Energie für das Pumpwerk in Sulzbach