Energiepreise steigen: Öl, Gas und Strom unter Druck, Industrie plant Gegenmaßnahmen
Autor: Energie-Echo Redaktion
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Kategorie: News
Zusammenfassung: l-, Gas-, Strom- und Kraftstoffpreise steigen wegen geopolitischer Spannungen deutlich; Tschechien führt ab 1. Oktober erneut einen Spritpreisdeckel ein.
Ölpreise steigen nach viertägiger Verlustserie wieder
Die Ölpreise haben nach vier Handelstagen mit Verlusten wieder zugelegt. Der Preis für ein Barrel Rohöl der Referenzsorte Brent aus der Nordsee zur Lieferung im November stieg im frühen Handel um fast 1,4 Prozent auf 101,71 US-Dollar.
Zum Wochenstart war der Brent-Preis zeitweise unter die Marke von 100 US-Dollar gefallen. Die weitere Entwicklung hängt laut der WirtschaftsWoche auch von den diplomatischen Kontakten am Rande der Generaldebatte der Vereinten Nationen ab. US-Präsident Donald Trump will dort mit Vertretern der Golfstaaten zusammenkommen; außerdem könnte er den iranischen Präsidenten Massud Peseschkian treffen. Xi Jinping reist vom 23. bis 25. September für einen Staatsbesuch in die Vereinigten Staaten.
Die Anleger achten nach Einschätzung von Hamad Hussain, leitender Ökonom bei Capital Economics, auf mögliche Fortschritte an der diplomatischen Front. Wegen der weit auseinanderliegenden Forderungen der USA und des Iran sei jedoch offen, ob die Gespräche greifbare Fortschritte bringen.
„Die Anleger werden auf Fortschritte an der diplomatischen Front achten, wenn Präsident Trump mit den Präsidenten Peseschkian und Xi zusammentrifft“, sagte Hamad Hussain der Nachrichtenagentur Bloomberg.
Gleichzeitig bleiben die Versorgungsrisiken im Nahen Osten hoch. In der Straße von Hormus wurde erneut ein Schiff angegriffen. Nach Angaben der britischen Behörde für Sicherheit in der Schifffahrt wurde ein in den Persischen Golf einfahrender Tanker von einem Geschoss getroffen.
Infobox – WiWo: Brent stieg um fast 1,4 Prozent auf 101,71 US-Dollar je Barrel. Zuvor war der Preis vier Handelstage in Folge gefallen und zeitweise unter 100 US-Dollar gesunken.
Tschechien führt Preisdeckel für Benzin und Diesel wieder ein
Die tschechische Regierung will Autofahrer angesichts hoher Energiepreise ab dem 1. Oktober erneut entlasten. Für Benzin und Diesel wird wieder ein Preisdeckel eingeführt, dessen Vorgaben täglich aktualisiert werden sollen.
Zusätzlich sinkt die Verbrauchsteuer auf Diesel auf 8,011 Kronen beziehungsweise 33 Eurocent je Liter. Nach Angaben der Frankenpost entspricht dies dem niedrigsten Wert, den die EU-Richtlinien erlauben.
Die Maßnahme richtet sich insbesondere an Autofahrer und Unternehmen, die unter den hohen Treibstoffpreisen leiden. Für Autofahrer aus den grenznahen Landkreisen in Oberfranken könnte die Regelung besonders relevant sein.
Auch der stern berichtet, dass das Spritpreispaket zunächst für einen Monat gelten soll, aber verlängert werden könne. Einen Preisdeckel hatte es bereits von Anfang April bis Ende Juli gegeben.
„Diese Maßnahme wirkt deutlich gegen die Inflation, ist eine Erleichterung für Firmen und Haushalte und hält die Treibstoffpreise in der Tschechischen Republik auf einem der günstigsten Niveaus in der EU“, sagte Finanzministerin Alena Schillerova.
Darüber hinaus plant die tschechische Regierung eine Übergewinnsteuer auf Raffinerien für die Jahre 2026 und 2027. Sie soll die Hälfte des Anstiegs der Bruttomargen im Vergleich zum Jahr 2025 abschöpfen. Die erwarteten zusätzlichen Einnahmen werden allein für 2026 auf umgerechnet 226 Millionen Euro geschätzt.
Wegen der vergleichsweise günstigen Spritpreise fahren viele Autofahrer aus deutschen Grenzgebieten zum Tanken nach Tschechien. Dabei sind laut stern Zoll-, Steuer- und Gefahrgutrecht zu beachten. Das Land verfügt über ein dichtes Tankstellennetz. Der Staatsbetrieb Cepro betreibt 209 Tankstellen unter der Marke Eurooil und 75 unter der Marke Robin Oil.
Infobox – Frankenpost und stern: Ab 1. Oktober gilt in Tschechien erneut ein Preisdeckel für Benzin und Diesel. Die Diesel-Verbrauchsteuer sinkt auf 8,011 Kronen beziehungsweise 33 Eurocent je Liter; das Paket gilt zunächst für einen Monat.
Iran-Krieg lässt Energiepreise und Haushaltskosten steigen
Die Frankfurter Rundschau berichtet von deutlich höheren Energiepreisen für deutsche Haushalte. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts verteuerte sich Energie für Haushalte im August um 10,5 Prozent. Das war der höchste Anstieg seit mehr als drei Jahren, seit Beginn der russischen Ukraineinvasion.
Als Auslöser nennt der Bericht den Krieg zwischen dem Iran und mehreren Golfstaaten. Laut Fraunhofer-Institut fielen im Mai bei den Golfstaaten mehr als 14 Millionen Barrel Fördermenge pro Tag weg. Damit war ein größerer Anteil der weltweiten Ölversorgung betroffen als in jeder früheren Krise, einschließlich des zweiten Ölpreisschocks in den 1980er-Jahren und des Ukraine-Kriegs.
Gaspreise erreichen höchsten Stand seit Ende 2022
Besonders stark zeigt sich die Unsicherheit am Gasmarkt. Der Großhandelspreis für europäisches Erdgas stieg zu Wochenbeginn wegen Lieferausfällen aus dem Nahen Osten. Nachdem ein Treffen zwischen dem Iran und mehreren Golfstaaten verschoben worden war, sprang der Terminkontrakt TTF zeitweise um mehr als fünf Prozent nach oben.
An der Börse in Amsterdam erreichte der TTF-Kontrakt 83,75 Euro pro Megawattstunde. Das war der höchste Stand seit Ende 2022 und fast dreimal so viel wie vor einem Jahr.
Bei den Haushalten ist die Entwicklung bislang nur teilweise angekommen. Laut Verivox stieg der durchschnittliche Gaspreis von 11,14 Cent pro Kilowattstunde vor einem Jahr auf aktuell rund 12,52 Cent. Wer ein Einfamilienhaus mit 20.000 kWh beheizt, zahlt laut Verivox nun rund 280 Euro mehr.
Neukundenpreise reagieren besonders schnell auf Veränderungen am Großhandelsmarkt. Verivox-Energieexperte Thorsten Storck zufolge sind sie seit Februar um über ein Drittel gestiegen. Bestandstarife reagieren demnach langsamer, könnten aber früher oder später ebenfalls zulegen. Zum Jahreswechsel seien Erhöhungen zwischen zehn und 20 Prozent möglich; im ungünstigsten Fall rechnet 1KOMMA5° mit mehr als 15 Cent pro Kilowattstunde.
Strom, Heizöl und Kraftstoffe werden ebenfalls teurer
Auch am Strommarkt ist die Entwicklung spürbar. Laut Bundesnetzagentur kostete Strom im Großhandel zu Wochenbeginn mehr als 256 Euro pro Megawattstunde; am Montagabend erreichte der Preis in der Spitze rund 740 Euro. Im September lag der Durchschnitt bei 147 Euro und damit etwa 75 Prozent höher als im Vorjahr.
Als Grund nennt die Frankfurter Rundschau die enge Verbindung zwischen Gas- und Strommarkt. Steigende Nachfrage muss demnach häufig durch teurere Gaskraftwerke gedeckt werden. Feste Haushaltstarife lagen laut Verivox mit 32,29 Cent pro Kilowattstunde noch leicht unter dem Vorjahreswert.
Für Haushalte mit Ölheizung schlägt die Entwicklung unmittelbarer durch. Ein Barrel Brent kostete zu Wochenbeginn rund 108 Dollar und damit etwa 60 Prozent mehr als vor einem Jahr. Heizöl kostete laut Heizöl24 1,66 Euro pro Liter und damit über 30 Cent mehr als Ende August.
Laut Verivox lagen 100 Liter Heizöl im September des Vorjahres bei rund 93 Euro, aktuell sind es 156 Euro. Bei einem Jahresverbrauch von 2000 Litern kostete eine Tankfüllung im September rund 3120 Euro statt 1860 Euro im Vorjahr.
Auch an den Tankstellen steigen die Preise. Nach Angaben von Destatis verteuerten sich Kraftstoffe im August um fast 28 Prozent; Benzin und Diesel erreichten neue Höchststände. Tankstellenbetreiber rechnen mit Preisen um die drei Euro pro Liter.
| Bereich | Angabe aus den Quellen |
|---|---|
| Gaspreis vor einem Jahr | 11,14 Cent pro Kilowattstunde |
| Aktueller Gaspreis | rund 12,52 Cent pro Kilowattstunde |
| TTF-Gaspreis | 83,75 Euro pro Megawattstunde |
| Strom-Großhandelspreis zu Wochenbeginn | mehr als 256 Euro pro Megawattstunde |
| Strompreis-Spitze am Montagabend | rund 740 Euro pro Megawattstunde |
| Durchschnittlicher Strompreis im September | 147 Euro |
| Heizölpreis | 1,66 Euro pro Liter |
| Heizölpreis je 100 Liter im September des Vorjahres | rund 93 Euro |
| Aktueller Heizölpreis je 100 Liter | 156 Euro |
| Stromtarif für Haushalte | 32,29 Cent pro Kilowattstunde |
Infobox – Frankfurter Rundschau: Energie für Haushalte verteuerte sich im August um 10,5 Prozent. Gas, Strom, Heizöl und Kraftstoffe stehen unter dem Einfluss der angespannten Lage im Nahen Osten.
Politik diskutiert über Entlastungen
In Berlin und Brüssel wird über Gegenmaßnahmen gegen die steigenden Energiepreise beraten. Die Bundesregierung plant kurzfristige Entlastungen, deren konkrete Ausgestaltung noch offen ist.
Erfahrungen mit einer zeitlich befristeten Senkung der Energiesteuer auf Kraftstoffe liegen bereits vor. Laut ifo-Institut kam beim Tanken nicht die volle Entlastung an; ein Teil verblieb bei den Mineralölunternehmen. Das Fraunhofer ISI bewertet pauschale Instrumente kritisch, weil sie unabhängig vom Einkommen allen Verbrauchenden zugutekommen.
Auch eine weitere Regulierung des Kraftstoffmarktes hatte laut einer Kurzstudie einen unerwünschten Effekt. Infolge der neuen Preisregeln waren höhere Handelsspannen bei Benzin erkennbar.
Auf EU-Ebene reagierte die Kommission im April mit der Strategie AccelerateEU. Die EU gab seit der Eskalation bereits 24 Milliarden Euro zusätzlich für Energieimporte aus, ohne eine zusätzliche Einheit Energie zu erhalten.
„Die Wahl, die wir heute treffen, wird unsere Fähigkeit bestimmen, uns den Herausforderungen von heute und den Krisen von morgen zu stellen“, erklärte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen.
Die Strategie sieht neben kurzfristiger Hilfe für einkommensschwache Haushalte einen beschleunigten Netzausbau und Investitionen von jährlich 660 Milliarden Euro bis 2030 vor.
Infobox – Frankfurter Rundschau: Die Bundesregierung prüft kurzfristige Entlastungen. Die EU-Strategie AccelerateEU umfasst Hilfe für einkommensschwache Haushalte, Netzausbau und Investitionen von jährlich 660 Milliarden Euro bis 2030.
China liegt beim Ausbau der Atomkraft für KI-Energie vorn
Der Wettlauf zwischen China und den USA um Künstliche Intelligenz ist eng mit dem Ausbau von Rechenzentren verbunden. Diese benötigen rund um die Uhr große Mengen Strom, weshalb die schnelle Errichtung von Atomkraftwerken erneut in den Fokus rückt.
Nach Darstellung der Berliner Zeitung baut China ein Atomkraftwerk in sechs Jahren, während die USA dafür über zehn Jahre benötigen. Im Energie-Wettlauf für die Versorgung von Rechenzentren liegt China damit derzeit vorn.
Das Branchenportal Oilprice wird als Quelle für die Einschätzung genannt. Die Entwicklung wird vor dem Xi-Trump-Gipfel als Hinweis darauf eingeordnet, dass nicht nur der technologische Fortschritt bei KI, sondern auch der Zugang zu verlässlicher Energie über die Wettbewerbsfähigkeit entscheidet.
Infobox – Berliner Zeitung: China benötigt für den Bau eines Atomkraftwerks sechs Jahre, die USA über zehn Jahre. Der schnelle Ausbau soll den hohen Strombedarf von Rechenzentren für Künstliche Intelligenz abdecken.
E.ON und MEYER WERFT planen Energieprojekte in Papenburg
E.ON und MEYER WERFT haben eine langfristige Partnerschaft für ein umfassendes Energiekonzept an den Werftstandorten der MEYER Gruppe in Deutschland vereinbart. Am Standort Papenburg sollen die CO2-Emissionen zunächst bis 2030 um rund 25 Prozent gegenüber dem Basisjahr 2022 sinken.
Dafür sind zunächst fünf Projekte zur Dekarbonisierung der Energieversorgung und der Produktionsprozesse vorgesehen. E.ON übernimmt die erforderlichen Investitionen in die Energieanlagen, während MEYER WERFT die Infrastruktur auf Pachtbasis nutzt.
Für die ersten Maßnahmen bis 2030 plant E.ON Investitionen von bis zu 38 Millionen Euro. Umfang, Zeitplan und konkrete Ausgestaltung hängen laut Presseportal von weiteren Planungen sowie technischen, regulatorischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen ab.
- Aufbau einer bidirektionalen Landstromversorgung am Ausrüstungspier.
- Ersatz des Öl-Gas-Heizsystems durch eine Luftwärmepumpe.
- Einsatz elektrischer Strahler statt der derzeit verwendeten Gas-Heizstrahler.
- Erneuerung der Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung und optimierter Luftverteilung.
- Installation einer Photovoltaik-Dachanlage auf einer Dachfläche von 24.500 Quadratmetern mit rund fünf Megawatt Peak.
Die geplante Landstromversorgung soll ermöglichen, den an Bord produzierten Strom während des Probebetriebs von Schiffsmotoren und Stromgeneratoren an Land zu nutzen und umgekehrt Strom von Land an Bord zu übertragen. Die neue Luftwärmepumpe soll perspektivisch die Gebäudeheizung ersetzen; dafür soll das Gasleitungssystem in den Schiffbauhallen durch ein wassergeführtes System ersetzt werden.
Elektrische Strahler sollen künftig Bauteile bedarfsgerecht beheizen und die bisherigen Gas-Heizstrahler ersetzen. Bei der Lüftungsanlage versprechen sich die Partner durch Wärmerückgewinnung und eine optimierte Luftverteilung zusätzliche Effizienzgewinne.
Die Photovoltaikanlage soll Solarstrom für den direkten Einsatz am Werksstandort erzeugen. Vergleichbare Projekte sind nach Angaben des Presseportals auch für den Standort Rostock-Warnemünde der zur MEYER Gruppe gehörenden NEPTUN WERFT in Planung.
„Mithilfe eines starken Partners wie E.ON wollen wir bei der MEYER WERFT unseren Beitrag zur CO2-Reduktion leisten“, sagte Jörg Heidelberg, Chief Operating Officer der MEYER WERFT.
„Die Dekarbonisierung der Industrie ist eine der zentralen Zukunftsaufgaben für den Wirtschaftsstandort Deutschland“, erklärte Dermot Fleischmann, Chief Commercial Officer Germany bei E.ON Energy Infrastructure Solutions.
MEYER WERFT entwickelt im Rahmen der Konzeptstudie „Vision“ derzeit batterieelektrisch betriebene Kreuzfahrtschiffe. Die Energieprojekte in Papenburg sollen damit nicht nur die Emissionen des Standorts reduzieren, sondern auch die Entwicklung umweltfreundlicherer Kreuzfahrtschiffe unterstützen.
Infobox – Presseportal: E.ON plant bis 2030 Investitionen von bis zu 38 Millionen Euro. Am Standort Papenburg sollen die CO2-Emissionen bis 2030 um rund 25 Prozent gegenüber 2022 sinken; vorgesehen sind fünf konkrete Energieprojekte.
Quellen:
- Energie: Ölpreise legen nach viertägiger Verlustserie zu
- Energie: Tschechien entlastet Autofahrer an der Tankstelle
- Gas, Strom, Heizöl: Diese Preissprünge kommen jetzt auf deutsche Haushalte zu
- Wettlauf um KI-Energie: China hängt die USA bei Atomkraft ab
- Neue Energie für Traumschiffe: E.ON und MEYER WERFT sorgen für weniger CO2 bei der Produktion
- Energie: Tschechien entlastet Autofahrer an der Tankstelle