Energiepolitik im Wandel: Atomwärme, Wasserstoff, Gasreserven und steigende Kosten
Autor: Energie-Echo Redaktion
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Kategorie: News
Zusammenfassung: Die Energiedebatte wird von nuklearer Fernwärme, zusätzlicher Gasspeicherung, Wasserstoffinfrastruktur und Windkraft geprägt, während steigende Energiekosten weitere Preissteigerungen erwarten lassen.
Neue Heiz- und Versorgungskonzepte prägen die Energiedebatte
Finnland erprobt nukleare Fernwärme in Helsinki
In Helsinki entsteht laut WELT der Prototyp eines nuklearen Heizwerks im Zentrum der finnischen Hauptstadt, nur zwei Kilometer vom Parlament entfernt. Mehrere Staaten zeigen Interesse an der Technologie, die als Pilotprojekt für eine saubere Energieversorgung dienen soll.
Im Mittelpunkt steht die Fernwärmeversorgung. Während in Deutschland nach Darstellung der Quelle mehr als die Hälfte des Endenergieverbrauchs auf die Wärme- und Kälteerzeugung entfällt und erneuerbare Energien dort nur langsam an Bedeutung gewinnen, setzt Finnland auf einen neuen Ansatz. Das Heizwerk könnte den Angaben zufolge auch in Deutschland zulässig sein, obwohl Deutschland aus der Kernenergie ausgestiegen ist.
Die Debatte dreht sich damit um die Frage, ob Kernenergie nicht nur zur Stromproduktion, sondern auch zur Wärmeerzeugung eingesetzt werden kann. Als mögliche Chancen werden eine saubere Energieversorgung und eine Senkung der Wärmepreise genannt; zugleich verweist der Beitrag auf den Widerstand gegen die Nutzung der Kernenergie in Deutschland.
| Projekt | Angabe |
|---|---|
| Standort | Helsinki |
| Entfernung zum Parlament | zwei Kilometer |
| Fokus | nukleare Fernwärme |
Infobox: Helsinki testet ein nukleares Fernwärmeprojekt. WELT sieht darin ein mögliches Modell, dem auch Deutschland folgen könnte.
Bundesregierung ordnet zusätzliche Gaseinspeicherung an
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche hat nach Angaben von STERN.de das bundeseigene Energieunternehmen Sefe angewiesen, zusätzlich Erdgas einzuspeichern. Die Entscheidung erfolgte in Absprache mit Bundeskanzler Friedrich Merz und wird mit den weiter andauernden geopolitischen Risiken begründet.
Ein Sprecher von Sefe bestätigte, dass das Unternehmen bis zum 15. Dezember 8 Terawattstunden Gas beschaffen und einspeichern soll. Zum Vergleich nennt die Quelle für die deutschen Gasspeicher ein Gesamtvolumen von rund 247 Terawattstunden.
Die Füllstände liegen laut STERN.de aktuell bei knapp 58 Prozent. Als zusätzlicher Belastungsfaktor werden hohe Großhandelspreise genannt, die durch die Blockade der Straße von Hormus im Konflikt zwischen Iran und den USA beeinflusst werden. Dadurch sei die Einspeicherung wirtschaftlich nur begrenzt attraktiv, weil Gas im Sommer teurer eingekauft werden müsse, als es nach derzeitigen Erwartungen im Winter verkauft werden könne.
Die Sprecherin des Ministeriums bezeichnete die Maßnahme als zusätzliches Instrument der Krisenvorsorge. Sefe soll selbst entscheiden, welche Mengen zu welchem Zeitpunkt eingespeichert werden; zugleich bleibe die Erwartung an andere Marktakteure bestehen, ihren Verpflichtungen zur Wintervorsorge nachzukommen.
Für die Zukunft plant Reiche außerdem eine strategische Gasreserve. Der Aufbau soll nach einer entsprechenden Gesetzesänderung im Jahr 2027 beginnen. Als mögliche Finanzierungswege werden eine Umlage über die Gaskunden, eine Finanzierung aus dem Bundeshaushalt oder ein Mischmodell genannt.
„Aus der Perspektive der Krisenvorsorge ist dieser Schritt ein wichtiger zusätzlicher Beitrag, um die Resilienz der deutschen Gasversorgung zu erhöhen.“
„Die Gasversorgung in Deutschland war, ist und bleibt zuverlässig.“
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Zusätzliche Beschaffung durch Sefe | 8 Terawattstunden |
| Frist | 15. Dezember |
| Gesamtvolumen der deutschen Speicher | rund 247 Terawattstunden |
| Aktueller Füllstand | knapp 58 Prozent |
| Geplanter Beginn der strategischen Reserve | 2027 |
Infobox: Sefe soll bis zum 15. Dezember 8 Terawattstunden Erdgas zusätzlich beschaffen und speichern. Hintergrund sind niedrige Speicherstände und geopolitische Risiken.
BMW plant Wasserstoff-Pipeline für Leipziger Werk
Das Leipziger BMW-Werk soll nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung künftig direkt über eine Pipeline mit Wasserstoff versorgt werden. BMW bezeichnete das Vorhaben als Vorreiterprojekt; das Werk könne dadurch weltweit das erste Automobilwerk sein, das direkt über eine Leitung mit Wasserstoff versorgt wird.
Die geplante Pipeline soll rund zwei Kilometer lang sein und im ersten Halbjahr 2028 fertiggestellt und angeschlossen werden. Sie soll das Werk mit dem künftigen Wasserstoff-Kernnetz verbinden, das nach den Angaben der Quelle bis 2032 bundesweit rund 9.000 Kilometer Leitungen umfassen soll.
Das Kernnetz soll große Industriezentren, Speicher, Erzeugungsanlagen und Importpunkte miteinander verbinden. Dafür werden unter anderem bestehende Erdgas-Pipelines umgerüstet; der Aufbau erfolgt nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums schrittweise.
BMW will den Wasserstoff insbesondere bei energieintensiven Prozessen einsetzen. In der Lackiererei könnten künftig Trockner mit Wasserstoff betrieben und dadurch Erdgas ersetzt werden. Der Autobauer nutzt nach eigenen Angaben bereits seit 2013 Wasserstoff innerhalb des Werks.
Derzeit werden auf dem Gelände rund 230 Gabelstapler und Schlepper mit Brennstoffzellen angetrieben. Außerdem kommt Wasserstoff seit vier Jahren in der Lackiererei zum Einsatz. Der Pipeline-Anschluss soll eine Nutzung in deutlich größeren Mengen ermöglichen.
Das Leipziger Werk beschäftigt nach Unternehmensangaben rund 6.800 Menschen. Dort werden der BMW 1er, zwei 2er-Modelle sowie der Mini Countryman produziert. Der Pipeline-Bau wird mit EU- und Landesmitteln gefördert.
| Angabe | Wert |
|---|---|
| Länge der geplanten Pipeline | rund zwei Kilometer |
| Geplante Fertigstellung | erstes Halbjahr 2028 |
| Geplante Länge des Wasserstoff-Kernnetzes | rund 9.000 Kilometer |
| Zieljahr für das Kernnetz | 2032 |
| Interne Wasserstoffnutzung bei BMW | seit 2013 |
| Mit Brennstoffzellen betriebene Fahrzeuge | rund 230 |
| Beschäftigte im Leipziger Werk | rund 6.800 |
Infobox: BMW will das Leipziger Werk im ersten Halbjahr 2028 über eine rund zwei Kilometer lange Wasserstoff-Pipeline anschließen. Der Wasserstoff soll unter anderem Erdgas in energieintensiven Prozessen der Lackiererei ersetzen.
Energie AG Oberösterreich beteiligt sich an Windpark Sandl
Die Energie AG Oberösterreich übernimmt laut DER STANDARD 30 Prozent der Investitionskosten für den Windpark Sandl. Der Aufsichtsrat stimmte der Beteiligung zu; das Unternehmen veröffentlichte anschließend Details zu dem Projekt.
Die Beteiligung betrifft 17 der geplanten 19 Windräder. Die notwendige Investitionssumme liegt bei mehr als 200 Mio. Euro. Der Windpark gilt als größtes Windparkprojekt Oberösterreichs.
Das Land plant nach Angaben der Quelle allerdings, für das Gebiet eine Ausschlusszone zu verordnen. Damit steht dem Großprojekt neben der Finanzierung auch eine politische und planerische Entscheidung bevor.
| Projektangabe | Wert |
|---|---|
| Beteiligung der Energie AG | 30 Prozent |
| Windräder mit Beteiligung | 17 der geplanten 19 |
| Investitionssumme | mehr als 200 Mio. Euro |
| Einordnung | größtes Windparkprojekt Oberösterreichs |
Infobox: Die Energie AG Oberösterreich beteiligt sich mit 30 Prozent an 17 von 19 geplanten Windrädern im Windpark Sandl. Die Investitionssumme beträgt mehr als 200 Mio. Euro.
Hohe Energiekosten könnten Preise für Verbraucher weiter erhöhen
Steigende Energiekosten werden nach einer Analyse von n-tv.de zunehmend an Verbraucher weitergegeben. Das Barometer für die Preiserwartungen der Unternehmen stieg im September auf 22,7 Punkte, nachdem im August 21,4 Zähler verzeichnet worden waren.
Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser erwartet, dass Energieversorger im Winter ihre Preise für Strom und Gas anheben. Gleichzeitig könne der Preisdruck bei Waren und Dienstleistungen weiter zunehmen. Für die kommenden Monate wird eine Inflationsrate von über drei Prozent erwartet.
Die Verbraucherpreise könnten im September um durchschnittlich 3,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat steigen. Im August lag die Teuerungsrate bei 2,9 Prozent. Einen höheren Wert als die erwarteten 3,1 Prozent habe es zuletzt Ende 2023 gegeben.
Als Ursache für die Belastungen nennt die Quelle unter anderem deutlich gestiegene Ölpreise. Diese kletterten zeitweise über 100 Dollar je Fass. Nach Angaben des ADAC mussten im September mehrfach Rekordpreise für Diesel und Benzin bezahlt werden. Auch Erdgas- und Strompreise erreichten Mitte September den höchsten Stand seit Ende 2022.
Besonders stark stiegen die Preiserwartungen bei energieintensiven Industrieunternehmen. Dort erhöhte sich der Indikator von 19,5 Zählern im August auf 24,8 Punkte im September. Im Handel stieg er von 30,0 auf 35,6 Punkte. Bei den Dienstleistern sank der Wert dagegen von 20,9 auf 19,8 Punkte.
„Sprit und Heizöl haben sich bereits spürbar verteuert, im Winter dürften die Energieversorger die Preise für Strom und Gas anheben.“
| Bereich | August | September |
|---|---|---|
| Preiserwartungen insgesamt | 21,4 Zähler | 22,7 Punkte |
| Energieintensive Industrieunternehmen | 19,5 Zähler | 24,8 Punkte |
| Handel | 30,0 Punkte | 35,6 Punkte |
| Dienstleister | 20,9 Punkte | 19,8 Punkte |
| Inflationsrate | 2,9 Prozent | 3,1 Prozent erwartet |
Infobox: Das Ifo-Preiserwartungsbarometer stieg im September auf 22,7 Punkte. n-tv.de berichtet, dass hohe Energiekosten den Preisdruck auf Verbraucher und Unternehmen weiter erhöhen könnten.
Neue Regeln für Förderanträge in Kerken
In Kerken gelten ab 2027 neue Regeln für Förderanträge bei der SL Natur Energie Stiftung, berichtet die RP Online. Hintergrund ist die hohe Nachfrage nach den verfügbaren Fördermitteln.
Kerkener Vereine müssen ihre vollständigen Anträge künftig ausschließlich über ein Onlineformular auf der Website der Gemeinde einreichen. Die Frist endet spätestens am 30. April. Antragsberechtigt sind gemeinnützige Vereine, die Spendenquittungen ausstellen dürfen.
Die SL Natur Energie betreibt in Kerken Windenergieprojekte und unterstützt über eine eigene Stiftung gemeinnützige, mildtätige und kirchliche Zwecke in der Gemeinde. Die neuen Richtlinien und das Formular sind unter kerken.de/sl-naturenergie abrufbar.
Über die eingegangenen Anträge entscheidet der Vergabeausschuss im Juni. Anschließend informiert die Gemeinde alle Antragsteller über die Entscheidung. Nach einer Förderzusage und der Überweisung des Geldes muss der Verein der Stiftung eine Spendenquittung ausstellen.
- Gültig ab 2027
- Einreichungsfrist: spätestens 30. April
- Antragstellung ausschließlich online
- Entscheidung des Vergabeausschusses im Juni
- Antragsberechtigt sind gemeinnützige Vereine, die Spendenquittungen ausstellen dürfen
Infobox: Ab 2027 müssen Kerkener Vereine Förderanträge bei der SL Natur Energie Stiftung ausschließlich online und bis spätestens 30. April einreichen. Die Entscheidung über die Anträge fällt im Juni.
Quellen:
- Energie: Helsinki wagt eine neue Art zu heizen – auch Deutschland könnte folgen
- Energie: Reiche sichert Gasversorgung ab - Anweisung an Staatsfirma
- Klimafreundlichere Energie - BMW baut Wasserstoff-Pipeline für Leipziger Werk - Bayern - SZ.de
- Energie AG Oberösterreich investiert Millionen in den Windpark Sandl
- Betriebe reichen Kosten weiter: Verbrauchern drohen steigende Preise durch teure Energie
- Antragsverfahren in Kerken ändert sich: Neue Regeln für Förderanträge bei der SL Natur Energie Stiftung