Energie-News: Gasspeicher, Kohleausstieg und hitzebedingte Kraftwerksausfälle

Autor: Energie-Echo Redaktion

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Kategorie: News

Zusammenfassung: Die EU füllt Gasspeicher langsam, während russisches Flüssiggas wegfallen könnte; zudem verzögert sich der NRW-Kohleausstiegsbericht, Brück bündelt Energiemanagement, Australien verschenkt Solarüberschüsse und die Gassuche am Ammersee pausiert.

Gasversorgung: EU füllt Speicher langsam, russisches Flüssiggas im Fokus

Die Europäische Union füllt ihre Gasspeicher laut WELT derzeit so langsam wie seit Jahren nicht. Gleichzeitig will die EU mitten im anstehenden Winter den Bezug russischen Flüssiggases stoppen.

Experten warnen dem Bericht zufolge vor den Folgen eines möglichen Wegfalls von Gasmengen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich eine geringere Verfügbarkeit auf die Versorgungssicherheit auswirken könnte.

„Ein Wegfall der Mengen ist relevant“.

Infobox: Die EU füllt ihre Gasspeicher langsam. Parallel ist ein Stopp des Bezugs russischen Flüssiggases im anstehenden Winter geplant.

Kohleausstieg in Nordrhein-Westfalen: Bericht des Wirtschaftsministeriums verzögert sich

Das Bundeswirtschaftsministerium wird den wichtigen Bericht zum für 2030 geplanten Kohleausstieg in Nordrhein-Westfalen nicht rechtzeitig vorlegen. Wie STERN.de unter Berufung auf eine Anfrage der Deutschen Presse-Agentur berichtet, soll die Erarbeitung weitere Zeit in Anspruch nehmen.

Eigentlich sollte der Bericht zum 15. August erstellt werden. Das Ministerium erklärte, der Bericht werde „schnellstmöglich nach Abschluss der vorgesehenen Analysen“ vorgelegt.

Der Bericht soll die Auswirkungen des Kohleausstiegs unter anderem auf die Versorgungssicherheit und die Strompreise untersuchen. Als Grund für die Verzögerung nannte das Ministerium die in diesem Jahr anstehenden Ausschreibungen für Kapazitäten zur Stromerzeugung, deren Ergebnisse berücksichtigt werden sollen.

Geplant ist der Bau von Gaskraftwerken. Insgesamt werden 11 Gigawatt neuer Kapazitäten angepeilt, die spätestens Ende 2031 am Netz sein sollen.

Die Anlagen sollen zunächst Erdgas verbrennen und spätestens 2045 klimaneutral mit Wasserstoff laufen. Sie sollen die Stromversorgung trotz des Kohleausstiegs sichern und den Ausbau von Ökostrom flankieren.

Nordrhein-Westfalen soll bis 2030 aus der Braunkohleförderung aussteigen. Die Vereinbarung wurde 2022 mit RWE getroffen. Deutschland soll bis 2038 insgesamt aus der Stromgewinnung aus Kohle aussteigen.

Mit dem verschobenen Prüfbericht soll entschieden werden, ob NRW bis 2030 aus der Kohleverstromung aussteigen kann. Alternativ könnten die letzten drei Braunkohleblöcke im Rheinischen Revier für eine Übergangszeit bis Ende 2033 in eine Reserve überführt werden.

Der SPD-Oppositionsführer in NRW, Jochen Ott, kritisierte den aus seiner Sicht „chaotischen Kohleausstieg“. Seit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine 2022 sei klar gewesen, dass der vorgezogene Kohleausstieg ein Fehler sei. Zugleich forderte er Planungssicherheit und Klarheit über Zeitraum und benötigte Reservemengen.

Auch der NRW-Landesverband des CDU-Wirtschaftsrats bewertet das 2022 vereinbarte Konzept als zunehmend „zu ambitioniert“. Einen möglichen Reservebetrieb sieht der Wirtschaftsrat kritisch, weil die Kosten der Bereithaltung über die Netzentgelte Unternehmen und private Haushalte belasten könnten.

Infobox: Der Bericht sollte zum 15. August vorliegen, wird aber später veröffentlicht. Für die Stromversorgung sind 11 Gigawatt neue Gaskraftwerkskapazitäten vorgesehen; spätestens 2045 sollen diese mit Wasserstoff laufen.

Amt Brück bündelt kommunales Energiemanagement bei eigener Energiemanagerin

Im Amt Brück laufen die Zuständigkeiten für das Energie-Management der kommunalen Gebäude seit Kurzem bei Lara Nawrocki zusammen. Sie ist laut Meetingpoint Brandenburg die erste hauptamtliche Energiemanagerin in Brück.

Ihr Aufgabenbereich umfasst sämtliche kommunalen Gebäude. Dazu gehören Kitas und Schulen, Jugendclubs, kommunale Wohnungen sowie Bauhöfe.

Für die einzelnen Gebäude werden Energiedaten zentral erfasst, ausgewertet und miteinander verglichen. Auf dieser Grundlage sollen Einsparpotenziale erkannt, Optimierungsmaßnahmen entwickelt und notwendige Sanierungen gezielter geplant werden.

Ziel ist es, den Energieverbrauch dauerhaft zu senken, die Umwelt zu entlasten und die Kosten für die Kommunen zu reduzieren. Neben technischen Verbesserungen und organisatorischen Veränderungen soll auch ein bewusster Umgang mit Energie eine wichtige Rolle spielen.

Informationen und Schulungen sollen Mitarbeiter sowie Nutzer der Gebäude für einen sparsameren Verbrauch sensibilisieren. Außerdem begleitet die Energiemanagerin die Umstellung auf erneuerbare Energien und behält energiewirtschaftliche Gesetze, Vorschriften und Normen im Blick.

Infobox: Lara Nawrocki koordiniert das Energiemanagement für sämtliche kommunalen Gebäude im Amt Brück. Energiedaten sollen zentral ausgewertet werden, um Einsparungen, Optimierungen und Sanierungen gezielter zu planen.

Australien bietet zeitweise kostenlosen Strom aus Solarüberschüssen an

Australien hat im Juli 2026 einen neuen Umgang mit überschüssigem Solarstrom eingeführt. Wie GameStar berichtet, müssen Versorger seit dem 1. Juli in mehreren bevölkerungsreichen australischen Bundesstaaten Verträge anbieten, bei denen Strom zeitweise kostenlos bezogen werden kann.

Die sogenannte „Solar Sharer Offer“ ermöglicht Kunden spezielle Tarife mit dreistündigen Zeitfenstern in der Tagesmitte. In diesen Zeitfenstern können bis zu 24 Kilowattstunden (kWh) bezogen werden, meistens zwischen 11 und 14 Uhr oder zwischen 12 und 15 Uhr.

Hintergrund ist der starke Ausbau der Fotovoltaik. In der Tagesmitte erzeugen Solaranlagen besonders viel Strom, während die Nachfrage typischerweise eher im mittleren Bereich liegt. Dadurch sinken die Großhandelspreise vor allem im Sommer und bei klarem Himmel stark oder rutschen in den negativen Bereich.

JahrSolarstromerzeugung beziehungsweise Kapazität
Bis 2009Marginale Solarstromerzeugung
2010510 Megawatt
202020.741 MW (20,7 Gigawatt (GW)
202334.234 MW (34,2 GW)
202438.470 MW (38,47 GW)
202545.100 MW (45,1 GW)

GameStar beschreibt Australien als Land mit der weltweit höchsten Solar-Pro-Kopf-Kapazität. Deutschland liegt demnach auf Platz 3 hinter den Niederlanden.

Die 24 Kilowattstunden können laut dem Bericht für etwa 100–150 Kilometer Fahrstrecke bei einem durchschnittlichen E-Auto reichen. Ein typischer australischer 3-Personen-Haushalt nutzt rund 16–20 kWh pro Tag; theoretisch könnten 24 kWh damit den kompletten Tagesbedarf abdecken, wenn der Verbrauch vollständig in das Mittagsfenster verlagert werden könnte.

Ein Smartphone-Akku fasst im Durchschnitt etwa 0,015–0,02 kWh. 24 kWh entsprechen rechnerisch rund 1.200–1.600 Handy-Ladungen.

Die kostenlosen Tarife sind jedoch sogenannte Opt-in-Varianten. Kunden müssen sie bewusst wählen. Außerhalb der Gratis-Zeitfenster kostet die Kilowattstunde mehr als bei üblichen Verträgen.

Das Angebot lohnt sich deshalb vor allem für Kunden, die den Strom in den frühen Nachmittagsstunden nutzen oder in eigenen Batterien zwischenspeichern können. GameStar führt die fehlenden Speichermöglichkeiten als einen Grund dafür an, dass die Solarüberschüsse unmittelbar an Kunden abgegeben werden.

Infobox: Seit dem 1. Juli können Kunden in mehreren australischen Bundesstaaten in dreistündigen Zeitfenstern bis zu 24 kWh kostenlos beziehen. Außerhalb dieser Zeitfenster sind die Tarife teurer als übliche Verträge.

Gassuche am Ammersee pausiert: Konzession „Lech Ost“ ausgelaufen

In weiten Teilen der Ammersee-Region darf seit dem 1. August 2026 vorerst nicht weiter nach Erdgas gesucht werden. Nach Angaben von SZ.de ließ das kanadische Unternehmen MCF Energy die bisherige Aufsuchungserlaubnis „Lech Ost“ auslaufen.

Eine Sprecherin des bayerischen Wirtschaftsministeriums bestätigte, dass bislang auch kein anderer neuer Antrag eingereicht worden sei. Die genauen Gründe für den Verzicht blieben zunächst unklar.

MCF Energy will nach dem Bericht eine kleinere Konzessionsfläche beantragen, welche die „aussichtsreichen Zielgebiete abdeckt“. Dadurch sollen die Auswirkungen auf lokale Gemeinden und das Wassereinzugsgebiet erheblich verringert werden.

Greenpeace wertete das Auslaufen der Konzession als Signal gegen die Gasbohrungspläne in der Ammersee-Region. Saskia Reinbeck bezeichnete den Rückzug von MCF als Erfolg für Bürgerinnen und Bürger zwischen Lech und Ammersee, die seit mehr als zwei Jahren gegen die Vorhaben protestiert hätten.

„Der Schutz des Trinkwassers und die Bewahrung der Natur müssten Vorrang vor den kurzfristigen, klimaschädlichen Profitinteressen privater Investoren haben.“

In Reichling wird seit Jahren nach Erdgas gesucht. Im September 2025 endete die erste Probebohrung der Energieprojekt Lech Kinsau 1 GmbH; derzeit wird noch analysiert, welche Fördermengen zu erwarten sind.

Das Unternehmen ging in den bisher bekannten Planungen von einer Gasförderung über 10 bis 15 Jahre aus. Vermutet wird eine Gasmenge von 400 bis 500 Millionen Kubikmetern. Diese Gassuche steht laut dem Bericht nicht mit der ausgelaufenen Konzession in Zusammenhang.

Anwohner hatten von Beginn an Sorge vor einer Verunreinigung der Trinkwasserquelle. Messungen im Umfeld der Bohrstelle zeigten zwischenzeitlich einen signifikanten Anstieg der Parameter von Zink, Barium und BTEX mit teils deutlicher Überschreitung der „Geringfügigkeitsschwellenwerte“ (GFS).

Nach Angaben von Greenpeace ist wegen der ausgelaufenen Konzession bis auf Weiteres auch das Bohrvorhaben der MCF-Tochter Genexco im Reichlinger Ortsteil Gimmenhausen im Landkreis Landsberg am Lech gestoppt. Ohne Aufsuchungserlaubnis könne das Unternehmen keinen Betriebsplan für die bereits gepachtete etwaige Bohrfläche einreichen.

Infobox: Die Aufsuchungserlaubnis „Lech Ost“ ist seit dem 1. August 2026 ausgelaufen. MCF Energy will eine kleinere Konzessionsfläche beantragen; das Bohrvorhaben der MCF-Tochter Genexco ist nach Angaben von Greenpeace bis auf Weiteres gestoppt.

Quallen schränken Stromproduktion im französischen Atomkraftwerk Gravelines ein

Ein massives Aufkommen von Quallen hat die Stromproduktion im französischen Atomkraftwerk Gravelines stark eingeschränkt. Wie T-Online berichtet, musste der Energiekonzern EDF drei der sechs Reaktoren abschalten, nachdem Quallen in die Meerwasserpumpen des Kraftwerks geraten waren.

Die Reaktoren 2, 3 und 4 wurden abgeschaltet. Reaktor 1 wurde auf die halbe Kraft heruntergefahren, Reaktor 6 lief mit voller Kraft und Reaktor 5 war wegen Wartungsarbeiten abgeschaltet.

EDF erklärte, die Situation habe keinerlei Auswirkungen auf die Sicherheit der Anlagen, die Sicherheit des Personals oder die Umwelt. Gravelines liegt in der Normandie zwischen Calais und Dünkirchen und ist das größte Atomkraftwerk Westeuropas.

Bereits vor genau einem Jahr waren dort wegen einer Quallenplage vier Reaktoren automatisch abgeschaltet worden. Große Quallenschwärme an der Küste Nordfrankreichs gelten als regelmäßiges und saisonbedingtes Phänomen; Meldungen über große Schwärme in diesem Gebiet werden jedoch jeden Sommer häufiger.

Zusätzlich zu den Quallen setzt die Hitze Frankreichs Atomkraftwerken zu. EDF meldete einen Höchststand hitzebedingter Ausfälle. Die Ausfallquote erreichte 15,6 Prozent.

Frankreich verfügt über insgesamt 57 Atomreaktoren, die üblicherweise rund 70 Prozent der Stromerzeugung decken. Weil die Anlagen zur Kühlung an Gewässern liegen, muss die Produktion bei Dürren oder Hitzewellen gedrosselt werden, um Auswirkungen auf die Umwelt zu begrenzen.

Am Sonntag mussten fünf Reaktoren ihre Leistung anpassen: Tricastin 1 und 4, Saint-Alban 1 und 2 sowie Bugey 3. Vier weitere Reaktoren waren außer Betrieb: Golfech 2, Chooz 1 und 2 sowie Cattenom 1.

EDF betonte, die Reaktoren könnten trotz hoher Wassertemperaturen ohne erhöhtes Risiko betrieben werden. Die von der französischen Atomaufsichtsbehörde festgelegten Grenzwerte dienten dem Schutz von Flora und Fauna.

Auch in Deutschland beeinflusst die Hitze die Energieversorgung. Wegen historischer Tiefstände des Rheins können Schiffe Kohle und Treibstoffe wie Benzin und Diesel nicht voll beladen. Auf die Stromversorgung hat das laut dem Bericht bislang keine Auswirkungen.

Infobox: In Gravelines wurden die Reaktoren 2, 3 und 4 abgeschaltet, Reaktor 1 auf die halbe Kraft heruntergefahren. Die hitzebedingte Ausfallquote der französischen Atomkraftwerke erreichte 15,6 Prozent.

Quellen: