Energie im Wandel: Ausstieg, Preise, Solar-Forschung und neue Hilfen

Autor: Energie-Echo Redaktion

Veröffentlicht:

Kategorie: News

Zusammenfassung: Deutschland plant den Ausstieg aus fossiler Energie bis 2045, während neue Solarzellen-Technologien Chancen bieten und steigende Energiepreise Haushalte belasten.

Deutschland legt Roadmap für Ausstieg aus fossiler Energie vor

Die Bundesregierung hat einen nationalen Fahrplan zum Ausstieg aus Öl, Gas und Kohle im Kabinett verabschiedet. Nach Angaben der WELT soll Deutschland spätestens bis 2045 keine fossilen Energieträger mehr nutzen.

Das 22-seitige Dokument sieht vor, den Kraftwerkspark im Einklang mit den Klimazielen bis spätestens 2045 zu dekarbonisieren. Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) will die „Roadmap für die schrittweise Abkehr von fossilen Brennstoffen“ bei der UN-Generalversammlung in New York vorstellen.

Der Plan wird laut WELT während einer der größten Öl- und Gaskrisen der Moderne präsentiert. In Deutschland stiegen die Spritpreise in der vergangenen Woche auf Rekordhöhe. Das Bundesumweltministerium setzt beim Umbau der Energieversorgung auf den Ausbau erneuerbarer Energien und auf Elektrifizierung.

Die Bundesregierung erklärt zugleich, dass fossile Brennstoffe für einen Übergangszeitraum weiter genutzt werden. Außerdem sollen alle technischen Maßnahmen ergriffen werden, um Methanemissionen aus der Produktion fossiler Rohstoffe zu senken.

Deutschland ist laut WELT das dritte Land mit einem nationalen Plan für den Ausstieg aus fossiler Energie. Frankreich hatte im April als erstes Land eine Roadmap vorgelegt, vergangene Woche folgten die Niederlande. Die deutsche Roadmap bündelt bereits ergriffene politische Maßnahmen und enthält keine neuen Maßnahmen.

„Unser Fahrplan soll international ein Zeichen setzen. Ich bin sicher, dass viele weitere Länder folgen werden“, wird Carsten Schneider in einer Pressemitteilung zitiert.

Zusammenfassung: Deutschland will spätestens bis 2045 aus Öl, Gas und Kohle aussteigen. Der vorgelegte Fahrplan soll vor allem international als Beispiel dienen und bereits beschlossene Maßnahmen bündeln.

Forschung: Zinn-Perowskit könnte Wirkungsgrad von Solarzellen deutlich erhöhen

Physiker der Universität Groningen haben untersucht, warum zinnbasiertes Perowskit den Energieverlust heißer Elektronen verlangsamen kann. Wie ingenieur.de berichtet, könnte dies den Weg zu Einschicht-Solarzellen mit einem theoretischen Wirkungsgrad von bis zu 66 % ebnen.

Herkömmliche Solarzellen mit einer einzigen Absorberschicht können physikalisch höchstens rund 33 % des Sonnenlichts in Strom umwandeln. Für kristallines Silizium liegt die Obergrenze laut Quelle bei rund 29 %. Der Grund ist, dass energiereiche Elektronen ihren Überschuss binnen einer Billionstel Sekunde als Wärme abgeben.

Die Forscher simulierten das Verhalten von Tausenden Elektronen in zinnbasiertem Perowskit. Zwei Effekte erklären demnach den verlangsamten Energieverlust: ein Phononenstau und die Bandfüllung durch den Burstein-Moss-Effekt.

Ohne diese beiden Effekte kühlen die Elektronen laut Simulation in rund 4 ps ab. Mit Phononenstau und Bandfüllung dauert die Abkühlung etwa 470 ps und damit mehr als hundertmal länger. Im Experiment an Cäsium-Zinn-Iodid hatten die Elektronen rund 636 ps benötigt.

MessgrößeWert
Theoretische Grenze einschichtiger Solarzellenrund 33 %
Obergrenze für kristallines Siliziumrund 29 %
Abkühlung ohne die beiden Effekterund 4 ps
Abkühlung mit Phononenstau und Bandfüllungetwa 470 ps
Abkühlzeit im Experiment an Cäsium-Zinn-Iodidrund 636 ps
Temperatur der Elektronen nach 200 psüber 600 K, also rund 330 °C
Theoretisches Potenzial einer idealen Hot-Carrier-Solarzellebis zu 66 %

Eine funktionierende Hot-Carrier-Solarzelle gibt es laut ingenieur.de bislang nicht. Die heißen Elektronen müssten aus der Zelle herausgeführt werden, bevor sie abkühlen; dafür seien energieselektive Kontakte erforderlich. Zusätzlich ist die Reinheit des Materials problematisch, weil Zinn leicht oxidiert und die dabei entstehenden Ladungsträger das Abkühlen beschleunigen.

Zusammenfassung: Simulationen erklären, warum heiße Elektronen in Zinn-Perowskit deutlich länger ihre Energie behalten. Das eröffnet theoretisch Wirkungsgrade bis zu 66 %, eine marktfähige Hot-Carrier-Solarzelle wurde jedoch noch nicht gebaut.

Energiepreise steigen: Haushalten drohen weitere Belastungen

Der Krieg zwischen dem Iran und mehreren Golfstaaten treibt die Energiepreise nach oben. Nach Angaben der Frankfurter Rundschau verteuerte sich Energie für Haushalte im August um 10,5 Prozent, der höchste Anstieg seit mehr als drei Jahren.

Im Mai fielen laut Fraunhofer-Institut bei den Golfstaaten mehr als 14 Millionen Barrel Fördermenge pro Tag weg. Damit war ein größerer Anteil der weltweiten Ölversorgung betroffen als bei jeder früheren Krise, einschließlich des zweiten Ölpreisschocks in den 1980er-Jahren und des Ukraine-Kriegs.

Am Gasmarkt stieg der Terminkontrakt TTF zeitweise um mehr als fünf Prozent. An der Börse in Amsterdam erreichte er 83,75 Euro pro Megawattstunde, den höchsten Stand seit Ende 2022. Der Preis lag damit fast dreimal so hoch wie vor einem Jahr.

Für Haushalte stieg der durchschnittliche Gaspreis laut Verivox von 11,14 Cent pro Kilowattstunde vor einem Jahr auf rund 12,52 Cent. Wer ein Einfamilienhaus mit 20.000 kWh beheizt, zahlt demnach rund 280 Euro mehr. Für den Jahreswechsel werden Erhöhungen zwischen zehn und 20 Prozent als möglich genannt; im ungünstigsten Fall rechnet 1KOMMA5° mit mehr als 15 Cent pro Kilowattstunde.

Auch der Strommarkt ist betroffen. Laut Bundesnetzagentur kostete Strom im Großhandel zu Wochenbeginn mehr als 256 Euro pro Megawattstunde und erreichte am Montagabend in der Spitze rund 740 Euro. Im September lag der Durchschnittspreis bei 147 Euro und damit etwa 75 Prozent höher als im Vorjahr. Feste Haushaltstarife lagen laut Verivox bei 32,29 Cent pro Kilowattstunde und damit noch leicht unter dem Vorjahreswert.

Beim Heizöl kostete ein Barrel der Rohölsorte Brent zu Wochenbeginn rund 108 Dollar, etwa 60 Prozent mehr als vor einem Jahr. Heizöl kostete laut Heizöl24 1,66 Euro pro Liter und damit über 30 Cent mehr als Ende August. 100 Liter lagen im September des Vorjahres bei rund 93 Euro, aktuell sind es 156 Euro.

BereichWert
Energiepreise für Haushalte im Augustplus 10,5 Prozent
TTF-Gaspreis83,75 Euro pro Megawattstunde
Durchschnittlicher Gaspreis vor einem Jahr11,14 Cent pro Kilowattstunde
Aktueller durchschnittlicher Gaspreisrund 12,52 Cent pro Kilowattstunde
Strompreis im Großhandel zu Wochenbeginnmehr als 256 Euro pro Megawattstunde
Strompreis-Spitze am Montagabendrund 740 Euro pro Megawattstunde
Durchschnittlicher Strompreis im September147 Euro
Fester Haushaltstarif für Strom32,29 Cent pro Kilowattstunde
Brent-Rohölrund 108 Dollar pro Barrel
Heizöl1,66 Euro pro Liter

Die Bundesregierung plant kurzfristige Entlastungen, deren Ausgestaltung noch offen ist. Auf EU-Ebene sieht die Strategie AccelerateEU neben kurzfristiger Hilfe für einkommensschwache Haushalte einen beschleunigten Netzausbau sowie Investitionen von jährlich 660 Milliarden Euro bis 2030 vor.

Zusammenfassung: Gas, Strom, Heizöl und Kraftstoffe sind deutlich teurer geworden. Für den Jahreswechsel werden weitere Preissteigerungen erwartet, während Bund und EU über Entlastungen und Investitionen beraten.

Erkrath bietet kostenlose Energieberatung an

Das Klimaschutzmanagement der Stadt Erkrath bietet gemeinsam mit der Verbraucherzentrale NRW kostenfreie Beratungstermine zu Energiekosten an. Wie RP Online berichtet, findet die nächste Energieberatung am Dienstag, 6. Oktober, zwischen 14.30 und 17.30 Uhr in der Stadtbücherei im Bürgerhaus Hochdahl statt.

Die Energieberaterin Petra Getto informiert darüber, wie Haushalte ihre Energiekosten senken können. Im Mittelpunkt stehen geeignete Technik für das Eigenheim, energetische Haussanierung, Energiesparen im Alltag, erneuerbare Energien, Dämmung und mögliche Förderprogramme.

Die Beratung ist kostenlos, unabhängig und individuell auf die jeweilige Situation ausgerichtet. Termine können per Mail an klimaschutz@erkrath.de sowie telefonisch unter 0211 24076803 vereinbart werden.

Zusammenfassung: In Erkrath erhalten Haushalte eine kostenlose und unabhängige Beratung zu Technik, Dämmung, erneuerbaren Energien und Fördermitteln. Termine sind erforderlich.

USA prüfen Exportstopp für Diesel

Angesichts steigender Dieselpreise prüft die US-Regierung einen Exportstopp für den Kraftstoff. Wie das Handelsblatt berichtet, sagte US-Präsident Donald Trump am Rand der UN-Generalversammlung in New York, eine Unterbrechung der Ausfuhren könne einen kleinen Effekt auf die Spritpreise in den USA haben.

Finanzminister Scott Bessent erklärte, die Regierung prüfe derzeit die Machbarkeit eines solchen Schritts. Möglich seien sowohl ein vollständiger als auch ein teilweiser Exportstopp.

Die Folgen könnten auch in Europa spürbar werden. Nach dem Nahen Osten waren die Vereinigten Staaten in den vergangenen Jahren Europas wichtigster Lieferant von Diesel. Vor Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine war Russland noch einer der wichtigsten Diesel-Lieferanten der EU-Staaten.

In den USA sind die Spritpreise infolge des Iran-Kriegs erheblich gestiegen. Benzin kostet laut Handelsblatt im Schnitt fast 50 Prozent mehr als vor Kriegsbeginn; der Dieselpreis erreichte kürzlich ein neues Rekordhoch.

„Der Krieg im Iran muss beendet werden, um die Kosten zu senken“, teilte Mike Rogers mit.

Zusammenfassung: Die US-Regierung prüft einen vollständigen oder teilweisen Exportstopp für Diesel. Ein solcher Schritt könnte wegen der Bedeutung der USA als Diesel-Lieferant auch Auswirkungen auf Europa haben.

Zerbst diskutiert über höhere Pauschale aus erneuerbarer Energie

Die Zerbster Ortschaften sollen mehr Geld erhalten. Nach Angaben der Volksstimme wird jedoch darüber diskutiert, wie hoch die Erhöhung ausfallen und wie schnell sie umgesetzt werden soll.

In der jüngsten Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses ging es um eine Anhebung der frei verfügbaren Pro-Kopf-Pauschale. Statt einer Erhöhung um 1,50 Euro stand plötzlich eine Verdopplung der Summe im Raum.

Die Mittel sollen den Ortschaften unter anderem für Kultur zur Verfügung stehen. Eine Entscheidung über die konkrete Höhe und den Zeitpunkt der Anhebung wird in der vorliegenden Meldung nicht genannt.

Zusammenfassung: Für Zerbster Ortschaften ist mehr Geld aus erneuerbarer Energie vorgesehen. Offen ist, ob die Pro-Kopf-Pauschale schrittweise um 1,50 Euro steigt oder verdoppelt wird.

Quellen: