EEG-Novelle entfacht Streit über Solarenergie und beschleunigt Energiewende‑Debatte
Autor: Energie-Echo Redaktion
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Kategorie: News
Zusammenfassung: Die geplante EEG-Novelle soll die feste Einspeisevergütung ab 2027 ersetzen, während Verbände vor längeren Amortisationszeiten und einem langsameren Solarausbau warnen.
EEG-Novelle sorgt für Streit über die Zukunft der Solarenergie
Die Bundesregierung will die feste Einspeisevergütung für neue Photovoltaikanlagen zum 1. Januar 2027 abschaffen. Über die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes und das Netzanschlusspaket soll zunächst das Kabinett beraten; im Herbst ist die Beratung im Bundestag vorgesehen. Nach Angaben von T-Online könnten die Gesetze erst Ende 2026 verabschiedet werden. Bis dahin gilt das EEG 2023.
Für Anlagen, die zwischen 2027 und 2029 ans Netz gehen, ist eine Übergangszahlung vorgesehen. Diese soll jeweils 36 Monate lang gewährt werden, der Kreis der berechtigten Anlagen aber schrittweise kleiner werden: 2027 gilt der Anspruch für Neuanlagen unter 50 Kilowatt, 2028 für Anlagen unter 25 Kilowatt und 2029 nur noch für Anlagen unter sieben Kilowatt. Ab August 2027 soll die Pauschale halbjährlich sinken, und zwar um 1 Cent mehr als bisher.
Als Beispiel nennt T-Online eine Solaranlage mit 10 kWp, die Anfang 2027 in Betrieb geht. Bei Teileinspeisung soll die Vergütung dann 5,20 Cent/kWh betragen. Grundlage ist ein im Gesetzentwurf genannter Basiswert von 6,20 Cent/kWh, von dem ein Abschlag von 1,0 Cent abgezogen wird. Eine Volleinspeisung soll ab 2027 nicht mehr möglich sein.
Nach Ablauf der Übergangszeit müssen Betreiber ihren Strom über die Direktvermarktung an der Strombörse verkaufen, wenn sie Einnahmen erzielen wollen. Dafür sind ein Smart Meter mit Smart Meter Gateway sowie eine Steuerbox erforderlich. T-Online weist darauf hin, dass die bisherige Ausfallvergütung ab 2027 nicht mehr greifen soll. Zusätzlich ist ein Direktvermarktungsbonus von 1,5 Cent/kWh für höchstens 48 Monate ab Beginn der Direktvermarktung vorgesehen.
| Jahr | Grenze für die Übergangszahlung |
| 2027 | unter 50 Kilowatt |
| 2028 | unter 25 Kilowatt |
| 2029 | unter sieben Kilowatt |
| ab August 2027 | halbjährliche Absenkung um 1 Cent |
Der Bundesverband Solarwirtschaft kritisiert die geplante Übergangsvergütung von 5,2 ct/kWh als unzureichend. Der Verband verweist darauf, dass die bisherige EEG-Einspeisevergütung für Teileinspeiser über 20 Jahre bei rund sieben ct/kWh und für Volleinspeiser bei zehn bis zwölf ct/kWh lag. Der BSW-Solar warnt außerdem, dass sich die Amortisationszeit von acht bis 15 Jahre mit Förderung auf bis zu 19 Jahre mit Speicher und auf über 30 Jahre ohne Speicher verlängern dürfte.
„Die vom Bundeswirtschaftsministerium im EEG-Referentenentwurf nun geplante maximal dreijährige Übergangsvergütung in Höhe von 5,2 ct/kWh könnte also nicht ansatzweise die bislang über 20 Jahre gewährte EEG-Einspeisevergütung in Höhe von rund sieben ct/kWh für Teileinspeiser und zehn bis zwölf ct/kWh für Volleinspeiser ersetzen. In unseren Augen ist sie Augenwischerei und ein unwirksames Trostpflaster.“
E.ON bewertet die Reform dagegen grundsätzlich positiv. Nach Einschätzung des Unternehmens müssen auch kleinere Photovoltaikanlagen stärker auf Markt- und Flexibilitätssignale reagieren können. Kritisch sieht E.ON allerdings die geplante Begrenzung der Einspeisung auf 50 Prozent, weil dadurch Flexibilitätspotenziale pauschal eingeschränkt werden könnten.
Infobox – T-Online: Die feste Vergütung für neue Dachanlagen soll ab 2027 entfallen. Vorgesehen sind eine zeitlich begrenzte Übergangszahlung, anschließend die Direktvermarktung und ein Bonus von 1,5 Cent/kWh für höchstens 48 Monate.
taz warnt vor einer Verlangsamung des Solarausbaus
Die taz bewertet die geplante EEG-Novelle deutlich kritischer. In einem Kommentar vom 29.7.2026 heißt es, die Abschaffung der festen Vergütung für kleine Dachkraftwerke verschlechtere die Bedingungen für private Hausbesitzer:innen und könnte den Ausbau der Sonnenenergie weiter verlangsamen.
Auch bei großen Ökokraftwerken sieht die taz mögliche negative Folgen. Wenn diese künftig weniger Entschädigung erhalten, sobald sie ihren Strom nicht verkaufen können, könne dies ebenfalls den Ausbau erneuerbarer Energien bremsen. Die Zeitung stellt die Reform in einen größeren energiepolitischen Zusammenhang und verweist auf weitere Entscheidungen der Bundesregierung.
Nach Darstellung der taz sind neue fossile Öl- und Gasheizungen wieder erlaubt, während Zuschüsse für klimaneutrale Alternativen verringert wurden. Zusätzlich geplante Gaskraftwerke sollen der Versorgungssicherheit beim Strom dienen. Eine zügige Umstellung zumindest eines Teils dieser Kraftwerke auf grünen Wasserstoff sei nach Einschätzung der taz nicht mehr vorgesehen.
Die Zeitung führt die Veränderungen vor allem auf CDU und CSU zurück. Ziel sei es, die Kosten des Abschieds von fossiler Energie und des Umstiegs auf klimaneutrale Energie für Staat, Bürger:innen und Unternehmen zu senken. Die taz hält jedoch andere Maßnahmen für geeigneter und nennt als Beispiel eine Senkung der Stromsteuer auch für Privathaushalte.
Aus Sicht der taz können einzelne Verschlechterungen in ihrer Kombination dazu beitragen, dass weiterhin zu große Mengen klimaschädlichen Kohlendioxids ausgestoßen werden. Das offizielle Ziel der Klimaneutralität bis 2045 bleibe zwar bestehen, werde durch die energiepolitischen Entscheidungen aber zunehmend fraglich.
Infobox – taz: Die Zeitung sieht in der EEG-Novelle eine Verschlechterung der Bedingungen für private Solaranlagen und warnt vor einer Verlangsamung des Ausbaus erneuerbarer Energien. Als zusätzlich problematisch bewertet sie weitere energiepolitische Entscheidungen der Bundesregierung.
Schweriner See wird als Wärmequelle untersucht
Forscher der Hochschule Wismar untersuchen, wie viel thermische Energie im Schweriner See steckt. Nach Angaben von NDR.de soll die Forschung eine Grundlage für die mögliche Nutzung des Seewassers zur Wärmeversorgung schaffen. Ein Wärmetauscher könnte künftig in zwölf Metern Tiefe installiert werden.
Die Wissenschaftler sehen ein theoretisches Potenzial, mit dem rund 60.000 Einwohner mit Wärme versorgt werden könnten. Schwerin liegt direkt am See und verfügt über ein Fernwärmenetz. Diese Kombination gilt nach Einschätzung der Forscher als günstige Voraussetzung für eine Wärmepumpenlösung.
Der Wärmetauscher arbeitet nach dem Prinzip eines umgekehrten Kühlschranks. Ein Kältemittel nimmt Energie aus dem Seewasser auf, wird gasförmig und erhitzt sich durch Kompression. Die Wärme soll anschließend in das Fernwärmesystem eingespeist werden. Für den Prozess wird Strom benötigt, der aus erneuerbaren Energien stammen muss, damit die Wärme klimaneutral ist.
Nach Angaben des NDR ist die Temperatur des Schweriner Sees in den vergangenen etwa 30 Jahren um mehr als 1,5 Grad gestiegen. Die Forscher prüfen, ob die Entnahme von Wärme zugleich einen Beitrag zur Widerstandsfähigkeit des Sees während langer Hitzeperioden leisten könnte. Momentan kalkulieren sie damit, dem See ein halbes Grad Temperatur zu entziehen.
Eine niedrigere Temperatur könnte nach Darstellung der Wissenschaftler weniger Bakterien, weniger Algen und mehr Fische bedeuten. Die Auswirkungen müssen jedoch weiter untersucht werden. In Mecklenburg-Vorpommern wird thermische Energie aus Gewässern bislang noch nicht in dieser Größenordnung genutzt.
Der NDR nennt Beispiele aus anderen Regionen und Ländern. Im Zürichsee sind demnach etwa 50.000 Einwohner angeschlossen. Im dänischen Esbjerg ist ein großes Wärmekraftwerk in Betrieb gegangen. In Neustadt in Schleswig-Holstein gibt es ein Prototyp-Projekt; Großwärmepumpen sind außerdem unter anderem in Köln und Flensburg geplant.
Schwerin hat seit Anfang Juni 2026 eine beschlossene Wärmeplanung. Darin ist das Ziel festgelegt, die Wärmeversorgung der Stadt bis zum Jahr 2045 CO₂-frei zu gestalten. Die Nutzung der thermischen Energie des Schweriner Sees ist darin berücksichtigt, allerdings zunächst nur für etwa 10.000 Einwohner. Die Wismarer Forscher sehen in ihren ersten Ergebnissen ein größeres Potenzial.
Auch in Wismar ist die Nutzung thermischer Energie vorgesehen, dort aus der Ostsee. Für die Untersuchungen wird ein neues Boot eingesetzt, das mit Trailer mehr als 70.000 Euro gekostet hat. Die Berechnung der Kosten für den Bau entsprechender Wärmepumpenanlagen gehört laut NDR nicht zur Forschung von Carolin Peters.
Infobox – NDR.de: Die Hochschule Wismar untersucht das Wärmepotenzial des Schweriner Sees. Theoretisch könnten rund 60.000 Einwohner versorgt werden; die Wärmeplanung Schwerins berücksichtigt derzeit etwa 10.000 Einwohner.
Materialien halten Kernfusion bei niedriger Energie messbar
Eine Untersuchung von Forschern der University of California in Davis und des Berkeley Lab beschäftigt sich mit Palladium und Titan als Materialien für Kernfusion. Die Frankfurter Rundschau berichtet, dass die Fusionsrate bei niedrigen Energien messbar blieb, obwohl sie theoretisch nahezu auf null sinken müsste.
Für die Versuche wurden dünne Metallfolien mit Deuterium gefüllt, einer schweren Form von Wasserstoff. Anschließend schossen die Forscher weitere Deuteriumkerne auf die Folien. Die größten Abweichungen traten bei Energien unter 2,5 Kiloelektronenvolt auf.
Bei den niedrigsten untersuchten Energien bildete sich ein Plateau mit einer kleinen, aber weiterhin messbaren Zahl von Reaktionen. Die gemessene Fusionsausbeute lag dabei mehr als 10¹⁸-mal über dem theoretisch erwarteten Wert für ungeschirmte Atomkerne. Die Frankfurter Rundschau ordnet ein, dass sich dieser Vergleich auf einen Ausgangswert bezieht, der unter den Bedingungen nahezu null beträgt.
Das Plateau wurde sowohl in Palladiumhydrid als auch in Titanhydrid beobachtet. Eine Rolle spielte offenbar auch die Art, wie das Deuterium in die Metallfolien eingebracht wurde. Je nach Beladungsverfahren veränderte sich die Zahl der registrierten Fusionsereignisse.
Als mögliche Erklärung wird eine Elektronenabschirmung genannt. Elektronen im Metall könnten die elektrische Abstoßung zwischen den positiv geladenen Deuteriumkernen abschwächen. Dadurch könnte die Wahrscheinlichkeit steigen, dass die Kerne die Coulomb-Barriere überwinden oder quantenmechanisch durch sie hindurchtunneln. Bewiesen ist dieser Mechanismus laut Bericht jedoch noch nicht.
„Wir haben gesehen, dass wir die Fusionsraten erhöhen können. Aber wo liegt die Grenze?“
Die Forschung liefert noch keinen Weg zu einem Fusionskraftwerk. Die Reaktionen erzeugten keinen relevanten Energieüberschuss, und der Versuchsaufbau benötigte weiterhin einen Ionenstrahl. Von einer selbstständig laufenden Fusion bei Raumtemperatur könne deshalb keine Rede sein.
Interessant ist der Ansatz nach Angaben der Frankfurter Rundschau vor allem für Neutronenquellen. Die bei der Fusion entstehenden Neutronen könnten für medizinische Verfahren, Materialanalysen, Frachtkontrollen und die Planetenforschung genutzt werden. Effizientere Materialien könnten solche Anlagen langfristig kompakter machen oder den notwendigen Energieaufwand senken.
Infobox – Frankfurter Rundschau: Palladium und Titan hielten Deuterium-Fusionen bei sehr niedriger Energie messbar. Die Ergebnisse bedeuten noch keinen Fusionsreaktor, könnten aber für kleinere und effizientere Neutronenquellen relevant werden.
RWE errichtet Großbatteriespeicher im Tagebau Hambach
RWE baut auf dem Betriebsgelände des Tagebaus Hambach einen weiteren Batteriespeicher. Nach Angaben von SZ.de, die einen dpa-Bericht übernimmt, wurden die ersten Batterie-Container bereits angeliefert. Insgesamt sollen 128 Lithium-Ionen-Batterie-Container installiert werden.
Die Anlage entsteht auf Höhe der Gemeinde Niederzier im Kreis Düren und soll 2027 in Betrieb gehen. Der Großspeicher verfügt laut RWE über eine Leistung von 236 Megawatt und eine Kapazität von 470 Megawattstunden. Die bauvorbereitenden Arbeiten hatten Ende 2025 auf einer Fläche von drei Hektar begonnen.
Der Speicher soll das Stromnetz stabilisieren und Ungleichgewichte innerhalb sehr kurzer Zeit ausgleichen. Einen Investitionsbetrag nannte RWE auf Nachfrage nicht. Der Standort liegt inmitten der Energieregion Rheinisches Revier.
„Ungleichgewichte im Stromnetz in Sekundenbruchteilen ausgleichen“
Im Tagebau Hambach hat RWE bereits drei Solaranlagen mit einer Gesamtkapazität von rund 50 Megawatt Wechselstrom sowie einen integrierten Batteriespeicher realisiert. Der Konzern betreibt Batteriespeicher in den USA, Europa und Australien. Die Gesamtleistung liegt nach eigenen Angaben bei 1.700 Megawatt, weitere rund 2.500 Megawatt befinden sich im Bau, davon 1.700 in Deutschland.
| Standort | Leistung | Kapazität | Inbetriebnahme |
| Hambach | 236 Megawatt | 470 Megawattstunden | 2027 |
| Gundremmingen | 400 Megawatt | 700 Megawattstunden | Anfang 2027 |
| Lingen | 400 Megawatt | mindestens 800 Megawattstunden | 2028 |
Weitere Speicher baut RWE im bayerischen Gundremmingen und am Kraftwerksstandort Lingen. In Gundremmingen ist eine Leistung von 400 Megawatt und eine Speicherkapazität von 700 Megawattstunden vorgesehen; die Inbetriebnahme soll Anfang 2027 erfolgen. In Lingen entsteht eine Anlage mit 400 Megawatt Leistung und mindestens 800 Megawattstunden Speicherkapazität, die 2028 in Betrieb gehen soll.
2025 gingen in Nordrhein-Westfalen bereits Anlagen in Neurath und Hamm in Betrieb. In Lingen betreibt RWE außerdem bereits einen Batteriespeicher.
Infobox – SZ.de: Der Batteriespeicher in Hambach soll 2027 mit 236 Megawatt Leistung und 470 Megawattstunden Kapazität starten. RWE will damit das Stromnetz stabilisieren und baut weitere Großspeicher in Deutschland.
Enpal schließt Standort in Hamburg
Die WirtschaftsWoche berichtet über die Schließung eines Hamburger Standorts des Berliner Energie-Start-ups Enpal. Die vorliegenden Angaben enthalten darüber hinaus keinen nutzbaren Berichtstext mit weiteren überprüfbaren Informationen.
Infobox – WirtschaftsWoche: Als nutzbare Kernaussage liegt lediglich die Meldung vor, dass Enpal einen Standort in Hamburg schließt.
Quellen:
- Feste Einspeisevergütung wird abgeschafft – Solarbranche spricht von „Augenwischerei"
- Enpal: Energie-Start-up schließt Standort in Hamburg
- Schweriner See als Wärmequelle: Forscher testen, wie viel Energie im Wasser steckt
- Neue Entdeckung bei der Kernfusion: Materialien erhöhen Fusionsrate um das Trillionenfache
- Erneuerbare-Energien-Gesetz: Dunkle Zeiten für den Solarausbau
- Energie - RWE baut Großbatteriespeicher im Tagebau Hambach - Wirtschaft